Die österreichische Tourismusbranche erwartet einen Rekordsommer und steckt gleichzeitig in der schwersten Lohnrunde seit Jahren. Die Gewerkschaft vida und die Wirtschaftskammer liegen nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden weit auseinander. Für Betriebe, die im Sommer Personal brauchen, wird der Konflikt zum betriebswirtschaftlichen Risiko.

Nach der zweiten Verhandlungsrunde am 7. April ist der Kollektivvertrag für rund 220.000 Beschäftigte in Hotellerie und Gastronomie weiter offen. Vida fordert eine Reallohnerhöhung über der aktuellen Inflationsrate von rund 3,6 Prozent, zwölf garantiert freie Sonntage pro Jahr und bezahlte Mittagspausen. Die Arbeitgeberseite, vertreten durch die gastgewerblichen Fachverbände der Wirtschaftskammer Österreich unter den Obmännern Georg Imlauer und Alois Rainer, bietet eine Lohn- und Gehaltserhöhung von durchschnittlich 3 Prozent – ohne die strukturellen Zusatzforderungen.

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Die WKÖ-Verhandler betonen, die Branche sei in Vorleistung getreten: In den vergangenen vier Jahren stiegen die Mindestlöhne um insgesamt 27,1 Prozent, der Abschluss 2025 lag mit 3,9 Prozent deutlich über der Jahresinflation von 2,9 Prozent. Seit November 2024 gilt zudem ein neuer Rahmenkollektivvertrag, der unter anderem Sonderzahlungen auf IST-Lohn-Basis, längere Kündigungsfristen und freie Wochenenden regelt. „Was wirtschaftlich nicht machbar ist, kann auch nicht vereinbart werden“, erklären Imlauer und Rainer.

vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit hält dagegen: „In einer Branche, in der die Produktivität der Beschäftigten laut Statistik Austria im Jahr 2025 um fünf Prozent gestiegen ist, über Personalkosten und zu geringe Betriebsergebnisse zu jammern, zeigt die Kurzsichtigkeit der Branche.“

Erfolgreich nach außen, unter Druck von innen

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und Staatssekretär Josef Schellhorn signalisierten im jüngsten Tourismusausschuss des Nationalrats Zuversicht für den Sommer 2026: Signifikante Einbrüche bei Buchungen sind trotz geopolitischer Unsicherheiten nicht erkennbar. Gleichzeitig zeigt der „Fitness-Check 2025″ der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank ein anderes Bild: Trotz guter Auslastung stagnieren die Betriebsergebnisse auf niedrigem Niveau. Neun von zehn Betrieben können gestiegene Kosten nicht vollständig über Preiserhöhungen weitergeben. „Viele Häuser arbeiten bereits an der wirtschaftlichen Belastungsgrenze. Der Plafond ist erreicht“, so Imlauer. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld gibt den Arbeitgebern in Teilen recht: Österreichs Wirtschaft wächst 2026 mit prognostizierten 1,2 Prozent nur moderat, nach zwei Jahren Rezession. Energiepreisschübe durch den Nahost-Konflikt belasten die Kostenseite zusätzlich.

Imlauer und Rainer richten ihre zentralen Forderungen an die Politik: niedrigere Lohnnebenkosten, Steuerfreiheit für Überstunden und echten Bürokratieabbau. Maßnahmen, die sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber entlasten würden und die im laufenden KV-Jahr keine Rolle spielen.

Das eigentliche Problem heißt Fachkräftemangel

Für Unternehmer ist der offene KV ein operatives Risiko. Der Fachkräftemangel gilt branchenübergreifend als größte Wachstumsbremse, den Tourismus trifft er besonders hart. Wer im Sommer 2026 ausreichend Personal haben will, konkurriert mit Supermarktkassen, öffentlichem Dienst und Pflegeberufen.
Wie auch immer: Beide Seiten erklären sich weiter gesprächsbereit. Vida drängt auf eine Einigung noch im April. Ein neuer Termin ist bislang nicht öffentlich bekannt. Die Sommersaison beginnt in wenigen Wochen.