Als Kind spielte Gerhard Stübe vor dem Gebäude, das er heute leitet. Sein Elternhaus sozusagen, die Bäckerei Stübe, belieferte die Gastronomiebetriebe rund um die Bregenzer Festspiele mit Brot, während drinnen die Vorstellungen liefen, die er von draußen nur erahnen konnte. 40 Jahre später sitzt derselbe Mann in Verhandlungen über Millionenbeträge, verteidigt Subventionsquoten gegenüber Politik und Öffentlichkeit und erklärt, warum ein Rekordjahr am Ende zu wenig sein könnte. Diese Nähe zur eigenen Geschichte ist die Grundlage für das, was Stübe im Podcast Tourismus To Go (Folge 75) offenlegt: eine Institution, die kulturell so erfolgreich ist wie selten zuvor und wirtschaftlich trotzdem in Bedrängnis gerät.

Die Festspielsaison 2026 endete mit einem wahrscheinlichen Besucherrekord von rund 273.000 Gästen, lediglich eine Vorstellung der Oper „La Traviata“ musste wetterbedingt von der Seebühne ins Haus verlegt werden. Und doch beschreibt Stübe eine Entwicklung, die er als „Verdammnis, Erfolg zu haben“ bezeichnet: Volle Häuser gehen nicht unbedingt mit finanzieller Entlastung einher. Was dazu kommt: Das Festspielhaus ist kein reiner Saisonbetrieb, sondern mit mehr als 200 Veranstaltungen pro Jahr ein Ganzjahresgeschäft. Der wirtschaftliche Druck entsteht also nicht in einem einzelnen Sommer, sondern begleitet Stübe durch das gesamte Jahr. Aktuell verschärft sich die Situation wegen einer Kürzung der öffentlichen Förderung um 30 Prozent (ca. 2,1 Millionen Euro). Betroffen sind davon sowohl die Bregenzer Festspiele als auch das Festspielhaus selbst.

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Die Rechnung

Was Stübe an der Kürzung stört: Bund, Land und Stadt Bregenz hätten kein Sparziel vorgegeben, das der Betrieb selbst hätte umsetzen können. Es wurden die laufenden Förderungen pauschal um 30 Prozent gekürzt. Diese Vorgehensweise hält er für ökonomisch widersinnig, und er untermauert das mit einer Zahl, die er im Gespräch mehrfach wiederholt: Jeder investierte Steuer-Euro bringe mittlerweile mehr als fünf Euro an direkten und indirekten Steuereinnahmen zurück. Bei einer Subvention von 6,9 Millionen Euro stehe demnach eine Wertschöpfung von 36 Millionen Euro, die zuletzt 2019 evaluierten Zahlen weisen für eine einzelne Festspielsaison ein Bruttoregionalprodukt von 85 Millionen Euro aus, jenen Anteil, der tatsächlich in der Bodenseeregion verbleibt. Plus: Mehr als 1.000 Arbeitsplätze in der Region hängen direkt mit den Bregenzer Festspielen zusammen.

Gerhard Stübe, Direktor des Festspielhaus Bregenz und Geschäftsführer der Kongresskultur Bregenz GmbH.
Ein Mann, der sein eigenes Haus so genau kennt wie kaum ein anderer: Festspielhaus-Geschäftsführer Gerhard Stübe. © Anja Köhler

Auch Festspielpräsident Hans-Peter Metzler habe versucht, diese Zusammenhänge über den Sommer in Interviews zu vermitteln. Ob sie bei den politisch Verantwortlichen tatsächlich ankommt? Wenn eine Subvention nachweislich das Fünffache zurückbringt, sei eine pauschale Kürzung schwer zu rechtfertigen. Dass der Betrieb im mehrjährigen Vergleich einen hohen Eigendeckungsgrad aufweist, überwiegend mehr als 80 Prozent, zuletzt teilweise sogar mehr als 90 Prozent, lindert die Auswirkungen der Kürzung, schließt die entstandene Lücke jedoch nicht.

Kolaborierende Konkurrenten

Das Festspielhaus liegt im Dreiländereck zu Deutschland und der Schweiz, was auf den ersten Blick verschärften Wettbewerb um internationale Kongressgäste vermuten lässt. Aber: Die Häuser rund um den Bodensee stehen zwar im Wettbewerb zueinander, schulen aber gemeinsam Mitarbeitende und tauschen sich regelmäßig fachlich aus. Aus dieser Zusammenarbeit ist vor rund zehn Jahren die Plattform micelab:bodensee entstanden, eine Forschungs- und Weiterbildungsinitiative mit jährlichen Themenschwerpunkten. Ein weiterer Trend, den Stübe beobachtet, betrifft die Dauer von Tagungen: Die Nachfrage ist hoch, die einzelnen Veranstaltungen werden im Schnitt jedoch kürzer. Ursache sei die zunehmende digitale Vor- und Nachbereitung, ein Effekt, der sich seit der Pandemie verstärkt habe, ergänzt um schlichten Zeit- und Kostendruck bei den Veranstaltern.

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