Ausgangspunkt der Debatte ist ein Beitrag von Elfriede Krempl im TP-Blog. Ihre These: Verschiebt sich die Wertschöpfung durch KI stärker von menschlicher Arbeit hin zu Kapital, Software und Rechenleistung, betrifft das nicht nur Unternehmen und Beschäftigte. Auch die Finanzierung der Gemeinden könnte sich verändern.
Die Kommunalsteuer beträgt 3 Prozent der Bemessungsgrundlage, die im Wesentlichen an die Arbeitslöhne eines Betriebs anknüpft. Sie fließt an jene Gemeinde, in der sich die Betriebsstätte befindet. Der Österreichische Gemeindebund bezeichnet die Kommunalsteuer als die mit Abstand bedeutendste gemeindeeigene Abgabe; 2022 brachte sie den Gemeinden (ohne Wien) rund 2,9 Milliarden Euro.
Für Tourismusregionen ist die Frage deshalb nicht unbedingt akademisch. Der Tourismus ist beschäftigungsintensiv. Laut OECD stand die Branche 2024 in Österreich direkt für rund 177.000 Vollzeitäquivalente beziehungsweise 4,3 Prozent der gesamten Beschäftigung. Hotels und Gastronomiebetriebe gehören in vielen Regionen zu den größeren Arbeitgebern.
Bis zu 27 Prozent der Aufgaben automatisierbar
Daraus lässt sich allerdings noch keine bevorstehende Finanzlücke ableiten. Wie viele Arbeitsplätze KI tatsächlich ersetzen wird, ist offen. Die OECD kommt für Österreich branchenübergreifend zu dem Ergebnis, dass zwar zahlreiche Tätigkeiten von Automatisierung betroffen sein können, aber nur 18 bis 27 Prozent der Aufgaben vollständig automatisierbar seien. Der wahrscheinlichere Effekt sei, dass sich Jobs verändern, statt komplett zu verschwinden.
Auch die zweite These des TP-Blogs, dass eine Verschiebung von Arbeitseinkommen zu Kapitaleinkommen die touristische Nachfrage der Mittelschicht schwächen könnte, ist plausibel. Wie stark KI Einkommen, Beschäftigung und Urlaubsbudgets verändert, hängt von Produktivitätsgewinnen, Lohnentwicklung, neuen Berufen und politischen Entscheidungen ab.
Genau darin liegt aber die spannende tourismuspolitische Frage. Bisher wird KI in Hotels vor allem unter dem Gesichtspunkt betrachtet, wie sich Abläufe automatisieren und Mitarbeiter entlasten lassen. Die ÖHV und die Wirtschaftskammer beschäftigen sich intensiv mit diesen Möglichkeiten. Wenn daraus tatsächlich weniger Arbeitsstunden oder Stellen entstehen, hat die Veränderung eine zweite Ebene: Ein Teil des Produktivitätsgewinns würde nicht mehr über die Lohnsumme in die Gemeindekassen gelangen. Krempl bringt deshalb die alte Idee einer stärkeren Besteuerung der Wertschöpfung beziehungsweise des Kapitals zurück in die Diskussion. Ob eine solche Abgabe sinnvoll oder überhaupt praktikabel wäre, ist eine andere Frage.
