Silvester ist bereits gut gebucht, Weihnachten präsentiert sich durchwachsen, der Jänner ist noch weitgehend offen. So beschreibt Tourismusobfrau Susanne Kraus-Winkler die aktuelle Buchungslage. Das Interesse am Winterurlaub in Österreich ist vorhanden. Bis daraus allerdings eine Reservierung wird, lassen sich viele Gäste Zeit. Die Betriebe müssen Personal und Betrieb längst vorbereiten, während ihre Kunden noch Preise vergleichen. Diesen Abstand zwischen Reiseabsicht und Buchung machte die Präsentation zum touristischen Winterausblick 2026/27 deutlich. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Susanne Kraus-Winkler und Österreich-Werbung-Chefin Astrid Steharnig-Staudinger präsentierten am 19. Oktober 2026 eine grundsätzlich positive Nachfrageprognose. Österreichs Tourismus soll im kommenden Winter weiter wachsen. Wie viel davon bei den einzelnen Unternehmen ankommt, hängt jedoch von mehr ab als von der Zahl der Ankünfte.

Gute Aussichten, späte Entscheidungen

Die ÖW rechnet für die Wintersaison 2026/27 mit rund 21,7 Millionen Ankünften aus allen Herkunftsmärkten, einem Plus von etwa 1,5 Prozent gegenüber der Vorsaison. Die vorgestellte Winterpotenzialstudie beruht auf rund 10.000 Befragungen in zehn europäischen Märkten. Diese stehen nach Angaben der ÖW für etwa 79 Prozent der Winterankünfte in Österreich. Neu aufgenommen wurde die Slowakei. Besonders positiv entwickelt sich demnach das Nachfragepotenzial unter anderem in Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden und Polen. „Von unserem Ruf allein kommt kein Gast“, sagte Steharnig-Staudinger. Entscheidend sei, die Interessenten im richtigen Markt zum richtigen Zeitpunkt zu erreichen. Wie eng dieses Zeitfenster werden kann, zeigt das Buchungsverhalten: Nach den präsentierten Ergebnissen bucht knapp die Hälfte des Österreich-Kernpotenzials erst in den letzten vier Wochen vor Reiseantritt. Anfang September hatte rund ein Viertel der Winterreiseplanenden seinen Urlaub bereits fixiert. Besonders häufig kamen frühe Buchungen aus Großbritannien, Belgien und Dänemark.

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Für die Betriebe bedeutet das, Kapazitäten bereitzuhalten, ohne deren Auslastung schon sicher zu kennen. Kraus-Winkler erwartet den nächsten größeren Buchungsschub etwa Mitte bis Ende November. Während Silvester und die Ferienwochen im Februar bereits gut nachgefragt seien, bleibe insbesondere der Jänner stärker von kurzfristigen Entscheidungen abhängig. Interessant, aber nachvollziehbar: Die Gäste vergleichen nicht nur länger. Sie prüfen auch genauer, wofür sie ihr Urlaubsbudget ausgeben. Laut der präsentierten Studie vergleichen rund 90 Prozent der Winterreiseplanenden vor der Buchung Preise.

Für die Branche relevant: Bei Restaurant- und Cafébesuchen wird das Budget besonders sorgfältig eingesetzt. Auch bei der Unterkunft werde nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Eine gute Nächtigungsentwicklung lässt deshalb noch keinen sicheren Schluss auf das Geschäft der Restaurants und Cafés am Urlaubsort zu. Gleichzeitig gibt es eine zahlungsbereite Nachfrage nach hochwertigen Angeboten. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner plädierte deshalb dafür, sowohl das Premiumsegment als auch leistbare Urlaubsangebote weiterzuentwickeln.

Österreich verfügt dabei weiterhin über einen Vorsprung: Beim abgefragten Preis-Leistungs-Image der Skidestinationen liegt das Land mit 38 Prozent vor Italien mit 25 Prozent. Zehetner räumte allerdings ein, dass dieser Wettbewerbsvorteil kleiner geworden sei. Qualität müsse zu Preisen angeboten werden können, mit denen die Betriebe international bestehen.

Mehr Geld pro Gast! Aber womit?

Die Tourismuspolitik will stärker jene Gäste ansprechen, die bereit sind, für ihren Urlaub entsprechend Geld auszugeben. Zehetner verwies auf geplante Reisebudgets von mehr als 1.400 Euro pro Person in Großbritannien und knapp 1.300 Euro in der Schweiz. Über die zehn untersuchten Märkte liege der Durchschnitt bei knapp 1.000 Euro. Es handelt sich um geplante Reiseausgaben, nicht um bereits erzielte Umsätze österreichischer Betriebe. Aus diesen Budgets soll durch passende Angebote mehr Wertschöpfung entstehen. Bei britischen Reiseplanenden spielen neben Wintersport auch Städte, Kultur und Advent eine Rolle, bei Schweizer Gästen unter anderem Kulinarik und Wellness. Wie breit die Motive sind, zeigen die Ergebnisse für das Österreich-Kernpotenzial: 38 Prozent nennen Wintersport, 33 Prozent Erholung in der Winterlandschaft, 31 Prozent Stadt und Kultur und 30 Prozent Wellness. Für Hotels und Destinationen steckt darin eine konkrete Aufgabe: Die unterschiedlichen Interessen müssen sich in einem buchbaren Aufenthalt verbinden lassen. Ein gutes Skigebiet allein beantwortet noch nicht die Frage, was die übrigen Mitglieder einer Reisegruppe tagsüber unternehmen.

Die Österreich Werbung hat deshalb auch die Begleitpersonen von Wintersportlern untersucht. Wer selbst nicht Ski oder Snowboard fährt, beeinflusst die Wahl des Urlaubsortes ebenfalls. Wellness, Spaziergänge, Gastronomie und Ausflüge können darüber entscheiden, ob eine Gruppe überhaupt bucht.
Zusätzlich richtet sich der Blick auf den Spätwinter. Rund 21 Prozent der Ski- und Snowboardurlaubsplanenden in den untersuchten Märkten fahren üblicherweise im März oder April auf Urlaub. Das entspricht einem Potenzial von etwa elf Millionen Menschen; rund sechs Millionen verreisen ausschließlich in diesen Monaten. Diese Zahlen beziehen sich auf die untersuchten Herkunftsmärkte insgesamt, nicht auf elf Millionen bereits für Österreich gewonnene Gäste.

Die ÖW plant dafür eine eigene Medienoffensive in Deutschland, Polen und Tschechien. Zusätzliche Nachfrage außerhalb der Ferienwochen könnte den Betrieben helfen, ihre Saison wirtschaftlich zu verlängern. Zehetner verbindet damit auch ein Beschäftigungsziel: Im Rahmen der Tourismusstrategie „Vision T“ soll die Zahl der ganzjährig Beschäftigten bis 2035 auf 160.000 steigen. Für 2025 nannte sie als Ausgangswert rund 134.600.

Die Reise beginnt immer öfter bei der KI

Auch der Weg zur Buchung verändert sich. Nach den vorgestellten Ergebnissen nutzen bereits 34 Prozent der Winterreisenden künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit ihrer Reise. Social Media dient 38 Prozent als Inspirationsquelle, bei der Gen Z sind es fast 60 Prozent. Für die Betriebe werde damit entscheidender, dass ihre Angebote digital auffindbar, aktuell und einfach buchbar seien, sagte Zehetner. Die gemeinsame KI-Offensive von Ministerium, WKÖ und Österreich Werbung soll Unternehmen und Destinationen dabei unterstützen.

Wiener Ortstaxe: Wer trägt die Mehrbelastung?

Wie schwierig es werden kann, zusätzliche Kosten im Preis unterzubringen, zeigte die Diskussion über die Wiener Ortstaxe. Kraus-Winkler verwies zunächst auf den Finanzierungsbedarf der städtischen Infrastruktur, von der auch Besucher profitieren. Zugleich warnte sie vor Folgen für die Ertragslage der Beherbergungsbetriebe. Für den Gast zählt letztlich der Gesamtpreis. Ob ein Hotel zusätzliche Abgaben vollständig weitergeben kann, entscheidet sich daher auch im Wettbewerb mit anderen Angeboten. Gelingt das nicht, belastet die Erhöhung die Kalkulation des Unternehmens.

Bei den Terminen ist zu unterscheiden: In Wien gelten seit 1. Juli 2026 fünf Prozent Ortstaxe. Die Erhöhung auf acht Prozent folgt am 1. Juli 2027, also nach der kommenden Wintersaison. Bemessungsgrundlage ist das Aufenthaltsentgelt ohne Umsatzsteuer und Frühstück; acht Prozent sind daher nicht schlicht acht Prozent des gesamten Bruttozimmerpreises. Die Stadt Wien argumentiert, dass Gäste über die Ortstaxe einen Beitrag zur Infrastruktur und Lebensqualität leisten sollen. Im September bekräftigte sie, an der zweiten Erhöhungsstufe festzuhalten. Kraus-Winkler stellte in der Pressekonferenz die betriebswirtschaftliche Frage dahinter: Wie weit lässt sich der Verkaufspreis tatsächlich anheben? Eine Antwort auf die Frage der ÖGZ über mögliche Nächtigungsverluste wurde leider nicht geliefert. Das Risiko für die Profitabilität jener Betriebe, die die Mehrbelastung nicht weitergeben können, benannte Kraus-Winkler hingegen ausdrücklich.