Schon die Anreise des ÖGZ-Redakteurs zur Eröffnungsfeier erzählt viel über die neue Arbeitswelt: Im Linienbus vom Bahnhof in Richtung Tabakfabrik Linz sitzt der niederländische Botschafter. Er ist einfach mitgefahren. Der Hintergrund ist klar: Die Brau Union gehört zur Heineken-Gruppe. Trotzdem wirkt dieser Auftritt bodenständig und passt zu einem Unternehmen, das tief in der österreichischen Gastronomie verankert ist. Oben im Quadrill der Tabakfabrik dann das Gegenteil von Amtsstube: offene, hochwertige Flächen, viel Licht, viel Raum für Austausch. Rund 320 MitarbeiterInnen arbeiten hier neuerdings ohne klassische Einzelbüros, Vorstandschef Hans Böhm eingeschlossen. Stattdessen: Besprechungszonen, Rückzugsräume, Unisex-WCs, ein Eltern-Kind-Büro (!) und eine Infrastruktur, die auf Begegnung ausgelegt ist. Dazu passt auch das informelle Setting: drei Bars im Haus, an denen nicht nur Kaffee, sondern auch Bier gezapft werden kann. Die spektakuläre Dachterrasse mit Blick über Linz ist dann letztlich ein Teil dieser neuen Arbeitslogik.
Für die Gastronomie ist das nicht nebensächlich. Die Brau Union ist einer der zentralen Partner der heimischen Betriebe und dieser Campus wird zur Schaltzentrale dieser Beziehungen. Die Stimmung bei der Eröffnung: gelöst bis neugierig. Weniger „wir haben gebaut“, sondern eher „wir probieren etwas aus“. Genau darin liegt die eigentliche Geschichte: Wie ein Bier-Riese seine Arbeitskultur neu denkt und damit indirekt auch seine Rolle in der Gastronomie verändern will.