Bern wird am 3. und 4. Juni 2026 zur Hauptstadt der Schweizer Hotellerie. In der neuen Festhalle Bern versammeln sich mehr als 1.500 Führungskräfte, Gastgeberinnen und Gastgeber, Fachleute und Branchenpartner zum Hospitality Summit, dem wichtigsten Branchentreff der Schweizer Hotellerie. Es ist die sechste Ausgabe des Formats, und die erste in der Bundeshauptstadt.

„Es ist kein klassisches Messeformat. Man läuft nicht durch und besucht die Stände, sondern es ist wirklich eine gute Mischung und eine Plattform für Wissenstransfer, für den Austausch, für Networking“, sagt Martin von Moos, Präsident von Hotellerie Suisse, im Podcast Tourismus To Go (Folge 61). Der Verband ist Träger und Veranstalter des Summits; GastroSuisse, der Branchenverband der Gastronomie, tritt heuer bereits zum zweiten Mal als Gastpartner auf. Diese Kooperation ist mehr als ein Marketingetikett. In der Schweiz sind Hotellerie und Gastronomie organisatorisch getrennt: zwei Verbände, zwei Lager, historisch auch nicht immer einig. Dass sie gemeinsam eine Plattform bespielen, signalisiert einen Willen zur Annäherung, den die Branche gut gebrauchen kann.

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Vier Themenblöcke, ein Grundproblem

Das Programm gliedert sich in vier Hauptstreams. Unter „Digital und Marketing“ werden Fragen zu künstlicher Intelligenz, Revenue Management, Online-Distribution und Direktbuchungsstrategien verhandelt. Wie gewinnen Betriebe Sichtbarkeit in einem Markt, der von Plattformen dominiert wird? Wie lässt sich Digitalisierung nicht als Kostenfaktor, sondern als Effizienzgewinn begreifen? Das sind zwar keine neuen Fragen, aber der Druck, sie zu beantworten, wächst.

Hier geht es zur Podcastfolge mit Martin von Moos auf Spotify

„Future and Inspiration“ nimmt Trends, Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Entwicklungen und Fragen der Betriebsarchitektur in den Blick. Gerade für Häuser, die Umbauten oder Repositionierungen planen, sollen hier Impulse entstehen, die über das Tagesgeschäft hinausweisen.

Der dritte Block, „People and Career“, trägt dem Thema Rechnung, das die Branche strukturell am stärksten belastet: Personal. Zum dritten Mal findet im Rahmen des Summits ein eigener Career Day statt. Dabei handelt es sich um eine Plattform, auf der Junge und Quereinsteiger mit Führungskräften in Kontakt treten können, Praktikumsstellen sondieren, Netzwerke knüpfen. Die Initiative ist symptomatisch für den Zustand der Branche: Nachwuchs muss heute aktiv geworben werden. Den vierten Bereich bildet „Hospitality and Tourism“, mit Best-Practice-Beispielen aus Hotellerie, Gastronomie, dem MICE-Bereich und Kulinarik.

Martin von Moos
Martin von Moos, Präsident der HotellerieSuisse: "Wir können gar nicht anders, als die Preise zumindest der Inflation und den gestiegenen Lohnkosten anpassen, " © Susanne Keller

Als Referenten-Highlight des ersten Tages ist der Präsident der Schweizerischen Nationalbank angekündigt. In einem Umfeld, das von Wechselkursrisiken, Zinserwartungen und konjunktureller Unsicherheit geprägt ist, hat geldpolitische Einordnung praktische Relevanz für Betriebe, die ihre Investitionsplanung unter Hochdruckbedingungen betreiben.

Ein Rekordjahr und die schwierige Realität

Wer die Stimmung in der Schweizer Hotellerie verstehen will, muss zwei Bilder gleichzeitig betrachten, die einander auf den ersten Blick widersprechen. Einerseits: 44 Millionen Nächtigungen im Jahr 2025: ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein historischer Rekordwert. Die Nachfrage ist robust, insbesondere aus Fernmärkten. Nordamerika hat in den Städten zuletzt stark zugelegt; Zermatt hat sich, einst reine Winterdestination, zur Ganzjahresmarke entwickelt. „An der Nachfrage liegt es nicht“, sagt von Moos.

Andererseits: Energiekosten, Inflation, Personalkosten. Margen, die erodieren. Ein Strukturwandel, der die kleineren, familiengeführten Betriebe unter Druck setzt und größere Häuser sowie Markenhotels begünstigt. Die Gleichung „mehr Gäste gleich mehr Ertrag“ stimmt so nicht mehr, das dürfte den österreichischen Betrieben bekannt vorkommen.

Die Preissituation verläuft dabei tief segmentiert. Vier- und Fünf-Sterne-Häuser können gestiegene Kosten auf die Zimmerpreise überwälzen; die RevPar-Entwicklung in diesem Segment zeigt weiter aufwärts. Im Zwei- und Drei-Sterne-Bereich ist der Spielraum deutlich enger. Die Gästestruktur ist preissensitiver, der Wettbewerb schärfer. „Wir können gar nicht anders, als die Preise zumindest der Inflation und den gestiegenen Lohnkosten anpassen, weil sonst brechen die Margen weg“, sagt von Moos. Und: „Wenn die Preise steigen, dann erhöhen sich auch die Ansprüche der Gäste, berechtigterweise.“ Dazu kommt eine Herausforderung, die spezifisch schweizerisch ist: der starke Franken. Er verteuert die Schweiz für europäische Gäste und das unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. Die Antwort, die von Moos formuliert, ist knapp und klar: „Wir sind teuer, das wissen wir und deshalb müssen wir besser sein.“

Fachkräfte fehlen, nicht Arbeitskräfte

Eine begriffliche Unterscheidung, die von Moos im Gespräch ausdrücklich setzt, verdient Beachtung auch im österreichischen Kontext: Die Schweizer Hotellerie leide nicht an einem Arbeitskräftemangel. Hände, die verfügbar wären, gäbe es durchaus. Was fehle, seien Fachkräfte. Qualifiziertes Personal, das eine Ausbildung mitbringt, das eine Küche auf gehobenem Niveau führen kann, das im Service nicht nur Teller trägt, sondern Gasterlebnisse gestaltet. „Ein Servicemitarbeitender oder Mitarbeitender, der ist nicht nur ein Tellerträger, der dann den Teller zum Gast trägt und wieder zurück, sondern wir möchten Qualität bieten, wir möchten dem Gast einen Mehrwert bieten.“

Die Konsequenz ist eine strukturelle Abhängigkeit von Zuwanderung, die von Moos nicht beschönigt: „Das war in der Vergangenheit so, das ist jetzt so und das wird auch in Zukunft so sein und muss in Zukunft so sein.“ Parallel dazu laufen Imagekampagnen, der Career Day, Initiativen zur Karriereentwicklung. Es ist der Versuch, das Berufsbild attraktiver zu zeichnen. Ob das reicht, wird sich zeigen.

Seminargeschäft unter Vorbehalt

Von Moos betreibt selbst zwei Vier-Sterne-Häuser mit Schwerpunkt auf Seminar- und Geschäftsreisen: das Hotel Sedartis in Thalwil und das Hotel Belvoir in Rüschlikon. Beide liegen am Zürichsee. Das Segment hatte nach dem Ende der Lockdownperiode von einem starken Nachholeffekt profitiert; 2025 verzeichnete eines der beiden Häuser ein Rekordjahr. Doch der Ausblick ist vorsichtiger geworden. Globale wirtschaftliche Unsicherheiten treffen die Unternehmen, die Kongress- und Seminarhotels buchen. Wer spart, spart zuerst bei externen Veranstaltungen. „Das fangen wir jetzt langsam an zu spüren“, sagt von Moos. „Die Handbremse ist momentan etwas angezogen.“

Das ist eine Beobachtung mit Relevanz weit über die Schweizer Grenze. Das MICE-Segment (Meetings, Incentives, Congresses, Events) reagiert auf konjunkturelle Eintrübungen schnell und merklich. Was in Thalwil und Rüschlikon sichtbar wird, dürfte in Wien, Salzburg und Innsbruck ähnlich wahrnehmbar sein.

Brücken über Grenzen

Der Summit richtet sich ausdrücklich nicht nur an Schweizer Betriebe. Führungskräfte aus dem nahen Ausland sind willkommen und von Moos spricht eine direkte Einladung an österreichische Hoteliers aus: „Wir können viel voneinander lernen, auch über die Landesgrenze hinweg.“ Die strukturellen Herausforderungen sind keine national begrenzten Phänomene. Sie verbinden die Branche über Grenzen hinweg stärker, als politische Zuständigkeiten es suggerieren.

Tickets für den Hospitality Summit 2026 sind nicht an eine Verbandsmitgliedschaft gebunden. Die Festhalle Bern öffnet am 3. Juni ab 8.30 Uhr.