Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Ausgerechnet in jener Branche, die jahrelang als Musterfall österreichischer Sozialpartnerschaft galt, reden Arbeitgeber und Gewerkschaft inzwischen miteinander wie zwei verfeindete Reality-TV-Kandidaten kurz vor dem Finale.

Die ÖHV wirft der vida „Scheidungskrieg“ und „Vorschlaghammer-Methoden“ vor. Die vida wiederum attestiert der Branche ein „fragwürdiges Menschenbild“, spricht von Übergriffen, Geringschätzung und verweigerten Verhandlungen. Dazwischen: eine Tourismuswirtschaft, die händeringend Mitarbeiter sucht und sich eigentlich keine öffentliche Schlammschlacht leisten kann.

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Man muss die aktuelle Eskalation nicht schönreden. Die Arbeitsbedingungen in Teilen der Gastronomie und Hotellerie waren über Jahre tatsächlich ein Problem. Schlechte Dienstpläne, miserable Führungskultur, patriarchale Strukturen, niedrige Löhne: vieles davon war real.

Andere Branchen träumen von diesen Arbeitsbedingungen

Nur: Genau deshalb ist der Tonfall der aktuellen Debatte so seltsam. Denn während die vida weiter so argumentiert, als wäre österreichische Hotellerie grundsätzlich ein Fall für die Arbeitsinspektion, investieren viele Betriebe längst massiv in bessere Bedingungen. Die Kollektivvertragslöhne wurden deutlich angehoben, freie Sonntage ausgeweitet, Zuschläge erhöht, Lehrlinge besser bezahlt. Dazu kommen Mitarbeiterwohnungen, Verpflegung, Weiterbildungsprogramme, Bonusmodelle und Benefits, die in anderen Branchen längst als moderne Arbeitgeberpolitik verkauft würden.

Das alles löst nicht die strukturellen Probleme der Branche. Aber es ist eben auch nicht nichts.

Die Gewerkschaft reagiert darauf allerdings nicht mit Anerkennung, sondern mit einer Rhetorik, die zunehmend an moralische Totalopposition erinnert. Fast jeder Missstand wird zur Systemfrage erklärt, jede Kritik an der Gewerkschaft zur Entgleisung, jede Verteidigung der Branche zum Versuch der Vertuschung.

Man fragt sich langsam, ob manche Funktionäre überhaupt noch Interesse daran haben, dass Tourismusberufe attraktiver werden? Besonders unerquicklich wird das beim neuen Tourismusfonds. 6,5 Millionen Euro stehen bereit, um Arbeit im Tourismus zu verbessern. Passiert ist bisher allerdings erstaunlich wenig. Während öffentlich von „Wertschätzung“ und „Respekt“ gesprochen wird, liegt der Fonds weitgehend bewegungslos herum wie ein vergessener Trolley in der Hotellobby.

Das eigentliche Problem dieser Debatte liegt aber woanders: Während viele Betriebe längst versuchen, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, führt die Gewerkschaft den öffentlichen Konflikt weiter im Dauer-Eskalationsmodus. Für eine Branche, die dringend Mitarbeiter sucht, ist das ein erstaunlich destruktiver Zugang.