Der Streit um die Wiener Ortstaxe ist in der nächsten Runde angekommen. Wirtschaftskammer Wien und ÖHV verlangen, die für Juli 2027 vorgesehene Erhöhung von derzeit fünf auf acht Prozent auszusetzen. Die Stadt lehnt das bislang ab. Beide Seiten untermauern ihre Position inzwischen mit Zahlen.
Die Hotellerie verweist auf einen STR-Benchmark von 183 Wiener Hotels mit insgesamt 32.087 Zimmern. Demnach sank die durchschnittliche Auslastung im August von 75,3 auf 74,1 Prozent. Der durchschnittliche Zimmerpreis fiel von 115,60 auf 114,10 Euro, der RevPAR (Erlös pro verfügbarem Zimmer) von 87 auf 84,60 Euro. Das entspricht beim RevPAR einem Minus von 2,8 Prozent. Von Jänner bis August liegt er laut Branchenvertretern 2,1 Prozent unter dem Vorjahr.
Die Stadt zeichnet naturgemäß ein anderes Bild: Von Jänner bis August stiegen die Nächtigungen in Wien um vier Prozent auf 13,083 Millionen. Der Netto-Nächtigungsumsatz erhöhte sich von Jänner bis Juli um zwei Prozent auf rund 758 Millionen Euro. Für Tourismusstadträtin Barbara Novak liefern diese Daten keinen Anlass, die bereits beschlossene zweite Erhöhungsstufe der Ortstaxe wieder aufzuschnüren.
Der Widerspruch
Beide Datensätze messen allerdings etwas anderes. Der Netto-Nächtigungsumsatz zeigt, was alle Wiener Beherbergungsbetriebe zusammen einnehmen. Der RevPAR misst dagegen, wie viel Umsatz ein Hotel je verfügbarem Zimmer erzielt. Und genau hier kommt eine dritte Zahl ins Spiel: Im August standen in Wien rund 85.500 Hotelbetten zur Verfügung, etwa 2.400 mehr als ein Jahr zuvor. Damit kann der gesamte Wiener Hotelmarkt wachsen, obwohl das einzelne verfügbare Zimmer weniger Erlös bringt. Mehr Betten und mehr Nächtigungen können den Gesamtumsatz erhöhen, während Auslastung, Rate und RevPAR gleichzeitig unter Druck geraten. Das ist für die Debatte um die Ortstaxe entscheidender als die Frage, welche Statistik „richtig“ ist.
Was wurde 2025 tatsächlich vereinbart?
Auch beim politischen Ursprung der acht Prozent gehen die Interpretationen auseinander. Die Stadt verweist darauf, dass das Stufenmodell beim Ortstaxengipfel im September 2025 gemeinsam mit Wirtschaftskammer, ÖHV und WienTourismus vereinbart wurde. Nach der derzeit geltenden Regelung stieg die Ortstaxe im Juli 2026 von 3,2 auf fünf Prozent und soll im Juli 2027 auf 8 Prozent steigen. Die ÖHV widerspricht der Darstellung eines freiwilligen Kompromisses. ÖHV-General Markus Gratzer argumentiert, die Branche habe damals faktisch zwischen einer sofortigen Erhöhung auf 8,5 Prozent und dem gestaffelten Modell wählen können. Das ist die Position der Hotelvereinigung; die Stadt bewertet die damalige Einigung anders. Für die Hotellerie geht es inzwischen weniger um die 5 Prozent, die seit Juli gelten, als um die nächste Stufe.
