Kaum ist die Wiener Ortstaxe auf fünf Prozent gestiegen, sorgt bereits die nächste mögliche Abgabe für Unruhe in der Tourismuswirtschaft. Die Stadt prüft die Einführung eines sogenannten „Kultureuros“ auf Eintrittskarten für Konzerte, Theater und Museen. Laut ORF unter Berufung auf den „Kurier“ werden derzeit unterschiedliche Varianten diskutiert: ein fixer Euro pro Ticket oder ein Aufschlag von rund 12,5 Prozent. Details will die Stadt demnach im Herbst präsentieren.
Für die Wiener Hotellerie kommt die Diskussion zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Seit 1. Juli beträgt die Ortstaxe fünf Prozent der Bemessungsgrundlage, ab 1. Juli 2027 steigt sie nach derzeitiger Rechtslage auf acht Prozent. Gegenüber den früheren 3,2 Prozent entspricht das letztlich einer Erhöhung um 150 Prozent. Alexander Ipp, Vizepräsident der ÖHV: „Statt die Ausgaben in den Griff zu bekommen, kassiert die Stadt überall ab“, kritisiert er. Gerade eine Stadt wie Wien lebe davon, dass Kultur für Bewohner wie Gäste möglichst niederschwellig zugänglich bleibe.
Dass höhere Eintrittspreise nur zahlungskräftige Touristen treffen würden, lässt Ipp nicht gelten. Städtereisende seien keineswegs ausschließlich ein Premium-Publikum. Wer Unterkunft, Gastronomie, Museum, Konzert und vielleicht noch einen Theaterbesuch zusammenrechnet, spüre zusätzliche Prozentaufschläge sehr wohl. Der Kultureuro wäre damit aus Sicht der ÖHV nicht nur kulturpolitisch, sondern auch touristisch relevant.
Für Wien ist die Frage heikel. Kultur ist schließlich nicht bloß kommunale Daseinsvorsorge, sondern eines der wichtigsten Argumente im internationalen Städtetourismus. Gerade deshalb warnt die Hotellerie davor, den Gast an immer mehr Stellen zur Sanierung des Stadtbudgets heranzuziehen.
Nach Hotelzimmern könnten in Wien künftig auch Museums-, Theater- und Konzertbesuche stärker zur Kasse gebeten werden.
