Ein Kochtopf, drei Generationen, ein Nachmittag. Was nach einer Schulveranstaltung klingt, war in seiner Anlage bewusst weiter gedacht: Die Höhere Bundeslehranstalt für Tourismus und wirtschaftliche Berufe in Wien 13 (besser bekannt als die Bergheidengasse) hat Mitte Mai ein generationenübergreifendes Kochevent veranstaltet, das Volksschulkinder der Steinlechnergasse, die eigenen Schülerinnen und Besucherinnen der Pensionistenklubs der Stadt Wien zusammenbrachte. Gemeinsam zubereitet wurden selbstgemachte Pasta, Kalbsbutterschnitzerl und Eismarillenknödel vom Tichy.

Das Event war in dem Sinn kein Schaukochen. Es folgt einer Logik, die in der Berufsbildung zunehmend an Bedeutung gewinnt: Fachkompetenz allein reicht nicht. Wer in der Hotellerie und Gastronomie Führungsverantwortung übernehmen will, braucht auch soziale Intelligenz, die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Menschen umzugehen, Situationen zu lesen und Gemeinschaft herzustellen. Genau das lässt sich nicht aus dem Lehrbuch lernen.

Praxis im weiteren Sinne

Die Bergheidengasse ist mit rund 1.000 Schülerinnen und Schülern und 140 Lehrerinnen und Lehrern die größte humanberufliche Schule Österreichs. Seit 1989 steht die praxisnahe Ausbildung, die Kooperation mit der Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie sowie der Einsatz moderner Unterrichtsformen im Zentrum des pädagogischen Konzepts. Direkorin Anita Petschning betonte anlässlich des Events den Stellenwert solcher Projekte: Die Schule verstehe sich als Ausbildungsort, an dem neben Fachkompetenz auch Gemeinschaft und gegenseitiger Respekt vermittelt werden.

Das bestätigte auch Alexandra V. Prammer, Direktorin der Volksschule Steinlechnergasse: „Gerade solche Begegnungen zeigen, wie viel Kinder, Jugendliche und ältere Menschen voneinander lernen können, mit Offenheit, Freude und ganz viel Herz.“ Dass das Zitat ein wenig nach Festvortrag klingt, täuscht über seinen sachlichen Kern nicht hinweg: Intergenerationelle Lernformate sind pädagogisch gut belegt und in der Schulentwicklung ein wachsendes Thema.

Einsamkeit als Problem

Die Pensionistenklubs der Stadt Wien, die mit mehreren Teilnehmerinnen vertreten waren, agieren an 135 Standorten in Wien. Ihr Auftrag: Begegnung, Austausch und gemeinsame Aktivität als Mittel gegen soziale Isolation im Alter. Dass sie für solche Zwecke eine Tourismusschule aufsuchen (und nicht umgekehrt), sagt einiges über den Ansatz der Bergheidengasse aus.

Wie das Wiener Bezirksblatt berichtete, resümierten die teilnehmenden Seniorinnen das Erlebnis knapp und treffend: „Gemeinsames Kochen verbindet einfach.“ Für einen unverhofften emotionalen Höhepunkt sorgte eine Schülerin, die an diesem Tag ihren 17. Geburtstag feierte, die Seniorinnen stimmten spontan ein Ständchen in der Schulküche an. Solche Momente lassen sich nicht inszenieren; sie entstehen, wenn der Rahmen stimmt. Den Abschluss des Nachmittags gestalteten die Volksschulkinder mit einer musikalischen Einlage, bei der sie ihren selbst entwickelten „Kochschein“ präsentierten: ein Format, das Kochen und performative Elemente verbindet. Dass dabei auch die aktuelle Song-Contest-Stimmung aufgegriffen wurde, dürfte dem Publikum im Speisesaal kaum missfallen haben.