Die meisten Stadiondebatten drehen sich um Kapazität und Bauform. Kurt Zöchlings Ansatz setzt woanders an: bei der Auslastung. Ein reines Fußballstadion komme in Österreich auf maximal fünf oder sechs große Veranstaltungen pro Jahr, ergänzt um gelegentliche Konzerte. Für eine Investition von 700 Millionen Euro sei das zu wenig Betrieb. Seine Antwort ist keine größere Arena, sondern eine vielseitigere: eine integrierte Sprungschanze, Flächen für Parallelslalom und Snowboard, eine Zusatztribüne für geteilte Nutzung bei Tennis, dazu American Football, Handball-Endveranstaltungen und Eishockey. Vierzig ausverkaufte Großveranstaltungen im Jahr nennt Zöchling als Zielgröße, darunter eine mögliche fünfte Station der Vierschanzentournee mit Finale in Wien.

Die eigentliche Pointe des Konzepts liegt jedoch nicht im Sportprogramm, sondern in dem, was Zöchling als eigentlichen Umsatzträger sieht. Nicht der Sport bringe den Jahresumsatz, sondern durch den Sport werde die Arena belebt, formulierte er es im Podcast „Tourismus To Go (Folge 72). Geplant sind ein Sporthotel mit 600 Apartments zwischen 30 und 100 Quadratmetern auf sechs Stockwerken, eine Shoppingmeile mit breiter Gastronomie und ein „Austria Sport Museum“ zur heimischen Sportgeschichte. Zöchling untermauert die Rechnung mit Wiener Vergleichszahlen: Das Naturhistorische Museum verzeichne eine Million Besucher im Jahr, das Kunsthistorische zwei Millionen, das Technische Museum 600.000. Ein Gebäude mit einer weltweit einzigartigen Kombination aus Doppelschanze, Stadion und Nationalmuseum könnte nach seiner vorsichtigen Schätzung selbst zwei Millionen Besucher jährlich anziehen, die für Eintritte, Hotelübernachtungen, Souvenirs und Restaurantbesuche zahlen.

Arena Austria
© Arena Austria

Damit richtet sich das Projekt in seiner Logik weniger an Stadionbetreiber als an die Gastronomiebranche selbst. Zöchling, der mit dem Erlebnislokal „Piano Express“ an der Donau selbst zwei Jahrzehnte Gastronomieerfahrung sammelte, plädiert für ein Ende der reinen Fastfood-Logik in publikumsstarken Lagen: Der Gast wolle heute Unterhaltung, Musik und Show, nicht nur Verpflegung. Wer diese Erlebnisgastronomie nicht anbiete, werde es in Zukunft schwer haben, so seine These.

Kein Wetterproblem, ein Willensproblem

Der naheliegendste Einwand gegen Skispringen im Stadionbetrieb ist das Klima: mildere Winter, unsichere Schneelage. Zöchling entkräftet ihn technisch. Rasenheizungen, wie sie in großen Fußballstadien und im ÖFB-Campus bereits verbaut sind, lassen sich nach seiner Darstellung umgekehrt auch zur Kühlung nutzen. Der Rasen werde dabei auf minus zwei bis minus drei Grad Celsius heruntergekühlt, anschließend mit Wasser bespritzt und so binnen weniger Tage in eine tragfähige Eis- und Schneefläche verwandelt. Moderne Schneekanonen funktionierten mittlerweile bis zu einer Außentemperatur von plus 20 Grad Celsius. Ergänzt werden soll die Energieversorgung durch Erdwärme und Windkraft. Die technischen Möglichkeiten habe man, an denen scheitere das Projekt nicht, sagte Zöchling. Es scheitere vielmehr am politischen Willen.

Diese Aussage trifft den eigentlichen Engpass des Projekts. Als Standort bevorzugt Zöchling das Areal des Ernst-Happel-Stadions im Prater, dessen umliegende Infrastruktur, darunter eine U-Bahn-Station mit zehn Zügen, bereits in mehrere hundert Millionen Euro Steuergeld investiert wurde und aus seiner Sicht kein zweites Mal in dieser Form in Wien entstehen könnte. Ein oft zitiertes Hindernis, der Denkmalschutz des Stadions, sei nach eigener Recherche und Rücksprache mit Experten geringer als angenommen: Er beruhe auf einer Verordnung ohne zugrunde liegenden Bescheid, die die Bundesregierung grundsätzlich aufheben könnte. Als Alternative nennt Zöchling das Areal des ehemaligen Werks in Aspern, ebenfalls mit U-Bahn-Anschluss. Am Ende hängt beides an derselben Bedingung: Ohne die Zustimmung der Stadt Wien als Grundeigentümerin ist das Projekt nicht realisierbar, selbst wenn private oder fremdfinanzierte Mittel stünden.

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Dass Zöchling mit dieser Position durchhält, hat auch mit der Vorarbeit zu tun. Seit 2013 verfolgt er die Idee, ein erster Vorentwurf aus dem Jahr 2018 erhielt öffentliche Aufmerksamkeit, nachdem der frühere ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel ihn aufgriff. Die Corona-Pandemie unterbrach die Diskussion vollständig, wurde von Zöchling nach eigener Aussage jedoch für eine detaillierte Neuplanung genutzt. Rund 4.000 Ingenieurstunden seien seither in Vorplanung, Grundlagenermittlung und Businessplan geflossen.

Kurt Zöchling ist in Klosterneuburg ansässig und informiert über den aktuellen Planungsstand des Projekts auf der Webseite www.arena-austria.at.