Die Botschaft der aktuellen Creditreform-Insolvenzstatistik klingt auf den ersten Blick beruhigend: Österreichweit gingen die Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal 2026 um 2,1 Prozent zurück, 1.781 Fälle, ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahresquartal. Handel, Bau, Sachgütererzeugung: alle im Rückgang. Nur eine Branche bewegt sich konsequent gegen diesen Trend. Das „Beherbergungs- und Gaststättenwesen“ verzeichnete 225 Insolvenzen, ein Plus von 16,6 Prozent, 32 Fälle mehr als im ersten Quartal 2025. Kein anderer großer Wirtschaftszweig kommt auch nur annähernd an diesen Anstieg heran.
Die Insolvenzquote liegt inzwischen bei 5,1 Fällen je 1.000 Unternehmen und damit über dem österreichischen Gesamtschnitt von 4,8.
Die Kosten fressen die Marge
Bemerkenswert ist der Befund vor allem deshalb, weil er sich nicht mit den gängigen Erklärungsmustern deckt. Die Nachfrage fehlt nicht. Viele Regionen melden stabile bis gute Nächtigungszahlen, die Tourismuspolitik spricht von Premiumisierung und Qualitätsdestinationen. Nach außen boomt der Sektor, nach innen aber kämpfen immer mehr Betriebe ums wirtschaftliche Überleben.
Der Grund liegt nicht in ausbleibenden Gästen, sondern in einer Kostenstruktur, die für viele Häuser schlicht nicht mehr aufgeht. Hohe Personalkosten, gestiegene Wareneinsätze, Energiepreise, Investitionsstau, Finanzierungskosten, wir erzählen Ihnen da nichts Neues, das ist alles bekannt. Das Problem: Diese Belastungen treffen die Branche gleichzeitig. Und sie treffen sie in einem Moment struktureller Schwäche: Viele Betriebe haben die Krisenjahre seit 2020 nur mit Fremdkapital überbrückt. Jetzt laufen Rückzahlungen, während die operative Marge schrumpft.

Besonders exponiert sind dabei jene Häuser, die sich auf der Einnahmenseite keinen weiteren Spielraum mehr erarbeiten können. Die Frage, ob Preissteigerungen noch an die Gäste weitergegeben werden können, stellt sich in einem Markt mit wachsender Preissensibilität neu. Familienbetriebe, Landgasthäuser, klassische Stadthotels der mittleren Kategorie geraten zwischen Kostenrealität und Preisakzeptanz in die Enge. Hinzu kommt die Wirkung der KIM-Verordnung: Wer investieren will oder muss, findet unter verschärften Kreditvergabestandards und gestiegenen Finanzierungskosten kaum mehr Spielraum. Notwendige Investitionen werden aufgeschoben, was kurzfristig zwar Liquidität schont, mittelfristig aber die Wettbewerbsfähigkeit untergräbt.
Kein rein österreichisches Problem
Der Blick über die Grenze zeigt: Österreich steht mit diesem Befund nicht allein. Die Creditreform-Europa-Analyse beschreibt ein Umfeld, in dem hohe Energiepreise, schwache Konsumdynamik und anhaltender Kostendruck besonders dienstleistungsnahe Branchen belasten. Handel und Gastgewerbe stehen europaweit unter Druck. Österreich bewegt sich mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen von plus 4,3 Prozent im Jahr 2025 im europäischen Mittelfeld, aber der überproportionale Anstieg im Gastgewerbe ist kein Ausreißer, sondern Teil eines breiteren Musters.
Was die aktuelle Statistik beschreibt, ist deshalb weniger ein konjunktureller Einbruch, als ein struktureller Anpassungsprozess, der sich über mehrere Jahre aufgestaut hat. Die Betriebe, die jetzt insolvent werden, sind häufig nicht solche, die keine Gäste mehr hatten. Es sind Betriebe, die betriebswirtschaftlich nicht mehr robust genug aufgestellt waren, um eine anhaltende Hochkostenphase zu überstehen.