Der Tirol Touristica Award, der seit 1996 an Projekte und Persönlichkeiten mit besonderer Wirkung für den Tiroler Tourismus vergeben wird, feierte heuer sein Jubiläum. Zu diesem Anlass wurde ein Sonderpreis ausgelobt, den die Swarovski Kristallwelten erhielten; jenes Projekt also, das bereits bei der ersten Vergabe des Awards vor 30 Jahren ausgezeichnet worden war. Für sein Lebenswerk wurde Franz Tschiderer geehrt. Er gilt als zentrale Figur beim Aufbau der Region Serfaus-Fiss-Ladis zu einer international bekannten Familiendestination und prägte als langjähriger Vorsitzender des Tyrol Tourism Boards, des höchsten touristischen Entscheidungsgremiums des Landes, auch die Ausrichtung des Tiroler Tourismus insgesamt mit.
Über den Nachwuchspreis stimmte das Publikum vor Ort sowie im Livestream ab. Zur Wahl standen zwei Projekte, AlpBox Tirol und Dark Sky Tirol, die ihre Konzepte auf der Bühne präsentierten. Durchgesetzt hat sich Johann Leopold Bahr mit Dark Sky Tirol, einem Angebot für geführte Sternenbeobachtungen, das Naturerlebnis mit astronomischer Vermittlung verbindet. Die Hypo Tirol Bank stellte für den Nachwuchspreis 2.000 Euro Preisgeld sowie die Trophäen für sämtliche Preisträger bereit.
Wirtschaftsfaktor Tourismus
In seiner Rede unterstrich Landeshauptmann Anton Mattle die ökonomische Bedeutung der Branche für das Bundesland. Mit 50 Millionen Nächtigungen und 13 Millionen Gästeankünften sei Tirol mit deutlichem Abstand das nächtigungsstärkste Bundesland Österreichs. Der Tourismus trage wesentlich dazu bei, dass Tirol im Bundesländervergleich das höchste Wirtschaftswachstum und die niedrigste Arbeitslosenquote aufweise. „Wer glaubt, dass Tirol ohne Tourismus erfolgreich ist, der täuscht sich“, sagte Mattle und bezeichnete die Branche als Jobmotor und Garant wirtschaftlicher Entwicklung in den Regionen. Zugleich verwies er auf die besondere Verantwortung der Branche gegenüber der einheimischen Bevölkerung.
Tourismuslandesrat Mario Gerber ergänzte, Tourismus sei „kein Selbstläufer“, sondern erfordere angesichts der Vielfalt der Tiroler Regionen einen differenzierten Blick. Während in manchen Destinationen die Qualitätssteigerung des bestehenden Angebots im Vordergrund stehe, brauche es andernorts Raum für neue Konzepte, so Gerber. Pauschale Strategien seien der Vielfalt der zahlreichen Familienbetriebe im Land nicht angemessen.
Das Video zum AlpenKlimaGipfel
Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung, stellte Initiativen vor, die auf eine ausgeglichenere Verteilung der Gästeströme über das Jahr abzielen. Zentral ist dabei das Projekt „Attraktiver Ganzjahrestourismus“, an dem 17 Tourismusverbände beteiligt sind, um Angebote an verändertes Reiseverhalten und klimatische Entwicklungen anzupassen. Auch die neue Märktestrategie der Tirol Werbung ist auf dieses Ziel ausgerichtet: Die Nahmärkte blieben demnach auf absehbare Zeit die tragende Basis des Tiroler Tourismus, während parallel eine gezielte Internationalisierung verfolgt werde, um Gästegruppen verstärkt in den Nebensaisonen anzusprechen. Ganzjahrestourismus schaffe damit auch ganzjährige Arbeitsplätze, betonte Seiler.
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Den inhaltlichen Kontrapunkt zur Preisverleihung setzte der Neurowissenschaftler Henning Beck mit seiner Keynote. Er warnte die Branche davor, sich von guten Geschäftsergebnissen zur Untätigkeit verleiten zu lassen: „Das größte Hemmnis für Innovation ist nicht die Angst vor dem Scheitern – es ist die Bequemlichkeit. Menschen, denen es gut geht und die ihr Geschäftsmodell als funktionierend erleben, haben die wenigste Motivation zur Veränderung.“

Wer den richtigen Zeitpunkt für Investitionen verpasse, laufe Gefahr, dass eine Krise erzwinge, was freiwillig hätte geschehen sollen, so Beck. Sei die wirtschaftliche Basis für ein Investment vorhanden, sollte dieses in der Regel auch getätigt werden.
Trotz des zunehmenden Einsatzes künstlicher Intelligenz bleibe der Tourismus nach Einschätzung Becks ein grundlegend menschliches Bedürfnis. Service sei das entscheidende Unterscheidungsmerkmal zwischen Betrieben: „Ein schlechter Service kann das beste Hotel ruinieren, ein guter Service kann ein einfaches Haus massiv aufwerten. Je digitaler die Welt wird, desto wertvoller wird das persönliche Zusammenkommen von Menschen.“