Schankwein ist für viele Betriebe eine der wichtigsten Weinpositionen, wirtschaftlich wie organisatorisch. Kaum ein anderes Produkt wird so häufig verkauft, so regelmäßig nachbestellt und so wenig diskutiert. Oft reduziert sich die Entscheidung auf den Einkaufspreis. Doch gerade beim Schankwein zeigt sich, dass Preis allein nicht ausreicht, um langfristig zufriedenstellend zu arbeiten. PREIS IST DIE BASIS, NICHT DAS KONZEPT Natürlich zählt der Preis. Schankwein muss kalkulierbar sein und zum Geschäftsmodell passen. Dennoch ist der günstigste Wein nicht automatisch der wirtschaftlichste. Entscheidend ist, wie gut sich der Wein verkauft, wie selten reklamiert wird und ob Gäste bereit sind, ein zweites Glas zu bestellen. Ein minimal höherer Einkaufspreis kann sich rasch amortisieren, wenn der Wein verlässlich funktioniert und keine Erklärbarkeit erfordert. VERLÄSSLICHKEIT SCHLÄGT INDIVIDUALITÄT Im Gegensatz zu Flaschenweinen steht beim Schankwein weniger die Persönlichkeit des Weins im Vordergrund als seine Konstanz. Gäste erwarten, dass der Wein bei jedem Besuch gleich schmeckt. Schwankungen zwischen Chargen, Jahrgängen oder Lieferungen wirken sich hier besonders negativ aus. Für den Betrieb ist es daher sinnvoll, auf Partner:innen zu setzen, die Kontinuität SENSORISCHE KLARHEIT IM VORDERGRUND Ein guter Schankwein sollte klar, ausgewogen und unaufdringlich sein. Extreme Stilistik, hohe Tannine oder ausgeprägte Holznoten erschweren den Einsatz. Schankwein muss zu vielen Situationen passen: zum schnellen Mittagessen ebenso wie zum entspannten Abend. Je unkomplizierter der Wein im besten Sinn ist, desto besser erfüllt er seine Aufgabe im Betrieb. SERVICE- UND ABLAUFTAUGLICHKEIT Schankwein ist ein Serviceprodukt. Er muss bei unterschiedlichen Temperaturen stabil bleiben, auch über mehrere Stunden hinweg offen funktionieren und sich unkompliziert ausschenken lassen. Oxidationsanfälligkeit, schnelle Ermüdung im Glas oder instabile Kohlensäure bei Schaumweinen führen im Alltag zu Problemen. Diese Faktoren sind im Einkauf oft wichtiger als feine stilistische Details. WAS BLEIBT Schankwein ist kein Nebenprodukt, sondern ein zentrales Werkzeug im gastronomischen Alltag. Der Preis ist wichtig, aber nicht allein entscheidend. Verlässlichkeit, Klarheit, Servicefreundlichkeit und Akzeptanz bei Gästen und Team bestimmen, ob ein Schankwein langfristig funktioniert. Wer Schankwein ganzheitlich denkt, arbeitet entspannter und wirtschaftlicher zugleich. DIE VERKOSTUNG – SO ENTSTEHEN DIE BEWERTUNGEN Die ÖGZ lud Winzerinnen und Winzer ein, ihre Weine kostenpflichtig einzureichen. Die Verkostung erfolgte blind durch Teilnehmer:innen der Sommelier-Österreich-Kurse am WIFI Wien, begleitet von Manuela Prieth und Bernhard Ernst. Die zusammengefassten Einschätzungen der Verkoster:innen bilden die Grundlage der Bewertungen auf den folgenden Seiten und entschieden über die Vergabe des ÖGZ-Gütesiegels 2026 in Gold.
