Der Begriff „No & Low“ umfasst mehrere Ebenen, die in der Praxis oft unscharf verwendet werden. Alkoholfreie Getränke bewegen sich rechtlich bis maximal 0,5 % vol., auch wenn Produkte mit 0,0 % explizit so gekennzeichnet sind. Dazu zählen alkoholfreie Biere, entalkoholisierte Weine und alkoholfreie Alternativen zu Spirituosen.
Davon zu unterscheiden sind alkoholreduzierte Getränke, die bewusst unter klassischen Alkoholgehalten bleiben. Diese Kategorie reicht von leichten Weinstilen bis hin zu modernen Aperitif-Formaten und eröffnet neue Konsumanlässe – etwa im Tagesgeschäft oder im Verlauf längerer Menüs.
Eine dritte Ebene gewinnt aktuell besonders an Bedeutung: Getränke, die sich vollständig von klassischen Kategorien lösen. Fermentierte Tees, Kombucha, Verjus-basierte Drinks oder komplexe Kräuterinfusionen orientieren sich nicht mehr am „Ersatz“, sondern entwickeln eigenständige sensorische Profile. Genau hier entsteht derzeit die größte Dynamik.
Vom Nischenprodukt zur festen Größe
Internationale Marktdaten zeigen ein konsistentes Wachstum im zweistelligen Bereich, insbesondere in urbanen Gastronomiemärkten. Analysen von IWSR und NielsenIQ machen deutlich, dass alkoholfreie und alkoholreduzierte Getränke längst Teil des regulären Angebots sind.
Auffällig ist, dass diese Entwicklung nicht auf Verzicht basiert. Ein Großteil der Gäste kombiniert alkoholische und alkoholfreie Getränke situativ. Konsum verschiebt sich entlang von Tageszeiten, Anlässen und individuellen Bedürfnissen – neue Trinkmomente entstehen, statt bestehende zu ersetzen.
Differenzierung statt Reduktion
Für die Gastronomie bedeutet das: Alkoholfreie Optionen sollten nicht als Zusatz geführt werden, sondern entlang des Aufenthalts gedacht werden – als Aperitif, als Begleitung einzelner Gänge oder als eigenständige Option im Barbereich. Alkohol wird damit zu einem Baustein unter mehreren, nicht mehr zum alleinigen Bezugspunkt.
Sensorik im Fokus: Struktur ohne Alkohol
Die zentrale Herausforderung alkoholfreier Getränke liegt im Aufbau von Struktur. Alkohol trägt wesentlich zu Textur, Länge und Aromatransport bei. Fällt er weg, müssen andere Elemente diese Funktion übernehmen.
Internationale Entwicklungen zeigen, dass hochwertige Produkte gezielt mit Säure, Bitterkeit und phenolischen Komponenten arbeiten. Fermentation spielt dabei eine Schlüsselrolle, weil sie natürliche Komplexität und Spannung erzeugt. Gerade fermentierte Getränke erreichen eine sensorische Tiefe, die sie für das Food-Pairing relevant macht.
Qualität als Erwartung
Mit der Marktentwicklung steigt die qualitative Erwartung. Alkoholfreie Getränke werden zunehmend über Herkunft, Produktionsweise und sensorische Komplexität definiert. Süße, eindimensionale Profile verlieren an Relevanz, während trockene, strukturierte Stilistiken an Bedeutung gewinnen.
Für Gastronom:innen eröffnet das neue Spielräume in der Preisgestaltung. Hochwertige alkoholfreie Getränke lassen sich eigenständig kalkulieren – vorausgesetzt, Konzept und Qualität sind nachvollziehbar. Die Kategorie entwickelt sich damit von einer Serviceleistung zu einem eigenständigen Umsatzträger.
Eigenständige Kategorie mit strategischer Relevanz
No & Low steht für eine strukturelle Verschiebung in der Getränkekultur. Die Kategorie erweitert nicht nur das Angebot, sondern verändert, wie Konsum gedacht und gestaltet wird. Für die Gastronomie liegt die Herausforderung darin, diese Entwicklung nicht nur abzubilden, sondern aktiv zu kuratieren.
Text: Manuela Prieth
DIE VERKOSTER:INNEN

Wie kommen die Bewertungen auf diesen Seiten zustande? Die ÖGZ lud Produzentinnen und Produzenten ein, kostenpflichtig ihre Produkte einzureichen. Diese wurden vom Sommelier Sebastian Ritzberger und Alexander Grübling mit der ÖGZ-Weinredakteurin Manuela Prieth verkostet. Die Einschätzungen der drei Verkoster:innen, die auf den nächsten Seiten zusammengefasst wurden, ergab dann auch die jeweiligen Träger des ÖGZ-Gütesiegels 2026 in Gold.
