Bier hat es derzeit nicht leicht. Der Rückgang beim Bierkonsum ist anscheinend kein vorübergehender Effekt. Schon im Februar bilanzierte Österreichs Brauwirtschaft ein deutliches Minus, im Juni zeigte eine europäische Branchenanalyse ein ähnliches Bild: weniger Alkohol, mehr Kostendruck, härterer Wettbewerb. Interessanter als all die Zahlen ist, was erfolgreiche Betriebe daraus machen bzw. lernen können.

Bei kleinen und mittleren Brauereien spielen eigene Pubs, Taprooms und Brauereigasthöfe eine auffallend große Rolle. 39 Prozent der von den Independent Brewers of Europe befragten Brauereien betreiben einen Taproom, 27 Prozent ein eigenes Pub. Der Grund ist nicht nur die höhere Marge. Diese Orte schaffen etwas, das dem Bier im klassischen Vertrieb oft fehlt: einen Anlass. Verkostungen, limitierte Sude, Veranstaltungen, Kooperationen und der direkte Kontakt zum Produzenten machen aus einem Getränk plötzlich ein Erlebnis.

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Taprooms selbst sind unspannend

Wer ein Bier nur als weitere Position zwischen Mineralwasser und Weißwein auf die Karte setzt, macht es letztlich austauschbar. Wer dagegen Herkunft, Stil oder Anlass sichtbar macht, gibt dem Gast einen Grund, genau dieses Bier zu bestellen. Das kann ein saisonaler Sud sein, ein lokales Bier, eine kleine Verkostung, eine Bierbegleitung zum Menü oder eine Kooperation mit einer Brauerei aus der Region.

Gerade kleinere Sortimente können dabei sogar im Vorteil sein. Mehr Auswahl bedeutet ja nicht automatisch mehr Relevanz. Im Gegenteil: Jedes zusätzliche Produkt bindet Lager, Kapital und Aufmerksamkeit. Schon im Juni wurde in der ÖGZ diskutiert, ob sinkende Nachfrage langfristig zu schlankeren Sortimenten führen könnte. Keine Angst: Das muss kein Verlust sein, wenn die Auswahl dafür klarer wird!

Auch bei den Bierstilen zeigt sich eine Gegenbewegung. Neben Spezialitäten und limitierten Bieren gewinnen klassische Bierstile wieder deutlich an Gewicht. Lager, Helles und Zwickl wirken plötzlich wieder sowas von zeitgemäß. Sie sind zugänglich, verständlich und funktionieren gastronomisch in vielen Situationen. Gleichzeitig wächst „alkoholfrei“ weiter und schafft neue Konsumanlässe, etwa beim Business-Lunch, bei dem man gerne alkoholfrei anstößt.

Man sieht: Ein Taproom kann Lust aufs Entdecken machen. Ob ein Bier Ihre Gäste am Ende überzeugen kann, entscheidet sich aber im Glas. Für unsere ÖGZ-Verkostung haben wir uns deshalb vier vertraute Stile vorgenommen: Leichtbier, Helles, Pils, Märzen und Zwickl.

DIE VERKOSTER:INNEN

Wie kommen die Bewertungen auf diesen Seiten zustande? Die ÖGZ lud Brauereien, Importeure, Winzerinnen und Winzer ein, kostenpflichtig ihre Weine einzureichen. Diese wurden von Sommeliers und Biersommeliers mit den ÖGZ-Fachredakteuren verkostet. Die Einschätzungen der drei Verkoster:innen, die auf den nächsten Seiten zusammengefasst wurden, ergab dann auch die jeweiligen Träger des ÖGZ-Gütesiegels 2026 in Gold.