Seit Oktober vorigen Jahres fungiert der langjährige Zurich Versicherungs-Mitarbeiter Jochen Zöschg (56) als CEO der Europäischen Reiseversicherung (ab 2027 Redion). Für den zuletzt als Head of Distribution & Market Management tätigen Manager sowie Leiter des CEO-Büros und Mitglied des Executive Teams auf europäischer Ebene in der Zentrale der Zurich Gruppe war die Touristik Neuland. Jochen Zöschg hat sie schätzen und lieben gelernt. T.A.I. bat ihn um ein Interview.
T.A.I.: Wieso erfolgte der Wechsel zur Europäischen? Welche Erfahrungen haben Sie bisher in der Touristik gemacht?
Jochen Zöschg: „Nur gute. Ich war zum Einstand gleich einmal auf dem ÖRV-Herbstkongress in Friaul-Julisch-Venezien und wenig später beim Galaabend des Corps Touristique. Das Interessante an der Branche ist, dass das Reisen – also in unserem Fall Reiseversicherung – überaus positive Assoziationen weckt. Die Reiselust ist ungebrochen, auch wenn die Menschen heuer vor allem den Nahbereich wählen. Die Leute beobachten mehr. Der Wechsel zur Europäischen Reiseversicherung erfolgte, weil ich eine neue Herausforderung für richtig erachtete und da kam die Ausschreibung des Jobs gerade recht. Ich bin übrigens nicht nur CEO der Europäischen Reiseversicherung, sondern auch Geschäftsführer der Europ Assistance Österreich sowie Mitglied des Europ Assistance Northern Europe Management Committees.“
T.A.I.: Die Europäische hatte 2025 laut Geschäftsbericht einen Rekordumsatz von erstmals mehr als 100 Mio. Euro und einen hohen Bilanzgewinn von mehr als 3 Mio. Euro. Sie sprachen Mitte März 2026 – also bereits während des Iran-Krieges – von einem positiven Ausblick für heuer. Sind Sie jetzt noch immer so zuversichtlich?
Jochen Zöschg: „Ja! Wir hatten ein sehr gutes letztes Buchungsquartal 2025 und wenn sich dieser Trend fortsetzt, dann werden wir auch heuer ein gutes Jahr haben. Im Iran-Krieg schwimmen wir natürlich mit der Touristik mit.“
T.A.I.: Sie gelten als Marktführer bei den Reiseversicherungen. Wie wird das festgestellt?
Jochen Zöschg: „Der Markt der Reiseversicherungen wird zwar nicht gemessen, aber vom Wachstum her lagen wir klar über jenem des Versicherungsmarktes. Und auch im Bereich der ‚Nicht-Lebens-Versicherungen‘, also Schaden, Unfälle etc., in dem die Reiseversicherungen enthalten sind, legten wir deutlich über dem Durchschnitt zu. Wir wissen also, dass wir klarer Marktführer bei den Reiseversicherungen sind.“
T.A.I.: Sie sind auch im Incoming tätig. Wie entwickeln sich denn die einzelnen Bereiche?
Jochen Zöschg: „Im Outgoing entwickeln wir uns wie die Branche. Im Incoming-Markt haben wir tolle Erfolge. Während der Fußball-WM bis zum Ausscheiden der Deutschen mussten wir natürlich ein wenig leiden. Denn die Deutschen sind ein bedeutender Incoming-Faktor, wobei wir seither wieder ein deutliches Wachstum merken. Dieses Geschäftsmodell – also jenes im Incoming – können nur wenige. Wir arbeiten mit rund 7.000 Hotels zusammen, vor allem 4- und 5-Sterne-Betriebe. Rund 10 % davon sind in Südtirol, der Rest in Österreich. Ein wichtiger ‚switch‘ war der (Anm. d. Red.: ab den 2010er Jahren) vollzogene Wechsel zur vollelektronischen Abrechnung. Es ist das Um und Auf, in den Buchungsstrecken der Hotellerie drinnen zu sein. Wir haben Kooperationen mit den meisten wichtigen Software-Anbietern.“
T.A.I.: Wie verteilen sich die lukrierten Umsätze auf die einzelnen Bereiche?
Jochen Zöschg: „Das Outgoing ist unser mit Abstand größter Bereich, sowohl bei den Einmal- als auch bei den Jahrespauschalversicherungen. Wir arbeiten mit allen großen, wichtigen Reisebüros und Reiseveranstaltern zusammen. Das Incoming hat ebenfalls eine große Auswirkung. Wir vertreiben unsere Produkte übrigens auch über mehr als 2.000 Versicherungsmakler in Österreich sowie über Banken und andere Versicherungen. Insgesamt macht uns all das krisenresistent.“
T.A.I.: Ab Jänner 2027 treten Sie als Europäische Reiseversicherung und Europ Assistance einheitlich unter dem Namen „Redion“ auf. Können Sie uns darüber erzählen?
Jochen Zöschg: „Zunächst erfolgt mit Ende September der Umzug unseres Wiener Büros, das mit ‚Kagran‘ nur um eine U-Bahnstation weiter sein wird, aber uns neue Möglichkeiten eröffnet. Wir werden viel mehr Kollaboration haben, also ein ‚activity based working‘ (Anm. d. Red.: Mitarbeitende haben keinen festen Schreibtisch, sondern wählen den am besten geeigneten Arbeitsbereich). Die Europäische Reiseversicherung und Europ Assistance kommen zusammen auf rund 220 Köpfe. Mit dem neuen Büro schaffen wir optimale Voraussetzungen für eine noch engere Zusammenarbeit: Alle Unternehmensbereiche werden auf einer Ebene arbeiten, während die Einsatzzentrale einen eigenen Bereich erhält. Wir sind außerdem weltweit der erste Standort im Design der neuen Marke Redion, die ab Herbst schrittweise eingeführt wird, in Österreich ab Jänner 2027.
Es spricht viel für die neue Marke, die Europäische Reiseversicherung und Europ Assistance haben viele Gemeinsamkeiten. Weltweit sind es übrigens 20 Marken, etwa Generali Global Assistance, Trip Mate oder GMMI in den USA. Dieser Auftritt wird künftig unter ‚Redion‘ zusammengefasst, um Reiseversicherung, Assistance etc. unter einer einheitlichen Identität zu bündeln. Wir sprechen von einem globalen Umsatz von 5,8 Mrd. Euro und 12.000 Mitarbeiter:innen. Und wir sind eine der wenigen, die alles aus einer Hand anbieten. Durch die Marke ‚Redion‘ wird das noch verstärkt. Der Markenwechsel ist übrigens kein Strukturwandel, sondern eine logische Weiterentwicklung. Wir können dadurch die Struktur der Gruppe besser nutzen.“
Von der Europäischen zu Redion
Die Europäische Reiseversicherung wurde 1907 in Budapest gegründet und gilt damit als erste spezialisierte Reiseversicherungsgesellschaft Europas. Die Gründung der österreichischen Europäische Reiseversicherung AG erfolgte dann 1923. Seit 1947 ist die Generali Group an der Europäischen beteiligt, die heute als Teil der Europ Assistance Gruppe geführt wird. Ab dem letzten Quartal 2026 erfolgt die Umbenennung der global tätigen Gruppe in „Redion“, wobei die rechtliche Umstellung in Österreich per Jänner 2027 kommt.