Im ersten Halbjahr 2026 meldeten in Österreich 3.443 Unternehmen Insolvenz an, ein Rückgang um 1,6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (3.499 Fälle). Damit schwächt sich die Dynamik der starken Insolvenzwelle der vergangenen Jahre zwar ab, das Niveau bleibt jedoch hoch: Im Schnitt meldeten im ersten Halbjahr rund 29 Unternehmen pro Werktag Insolvenz an.

„Der leichte Rückgang ist zweifellos ein positives Signal. Von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein“, sagt Creditreform-Geschäftsführer Gerhard M. Weinhofer. Die österreichische Wirtschaft befinde sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase, viele Unternehmen kämpften nach wie vor mit schwacher Nachfrage sowie hohen Personal- und Energiekosten. Von den 3.443 Fällen wurden 1.984 Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet, ein Rückgang um 8,2 Prozent. Deutlich zugenommen haben dagegen die mangels Vermögen abgewiesenen Verfahren, mit 1.459 Fällen ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weinhofer: Von einer Insolvenzwelle könne man aktuell nicht mehr sprechen, wohl aber von einem dauerhaft erhöhten Insolvenzgeschehen, das weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt der Vor-Pandemiejahre liege.

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Wien bleibt regionale Spitzenreiterin

Regional zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Mit 1.313 Fällen entfällt weiterhin mehr als ein Drittel aller österreichischen Firmeninsolvenzen auf Wien, die Bundeshauptstadt weist mit einer Quote von 15,9 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen unverändert den höchsten Wert des Landes auf. Deutliche Zuwächse verzeichneten Vorarlberg mit 37,5 Prozent und Kärnten mit 13,3 Prozent, während Tirol mit einem Rückgang um 39,9 Prozent und Salzburg mit minus 17,9 Prozent die stärksten Verbesserungen zeigten. Weinhofer führt die Unterschiede auf die jeweilige regionale Wirtschaftsstruktur zurück: Ballungsräume wiesen naturgemäß höhere Insolvenzraten auf als ländlich geprägte Gebiete.

Insolvenzstatistik Österreich, 1. Halbjahr 2026
Insolvenzstatistik Österreich, 1. Halbjahr 2026 © Creditreform

Hotel und Gastronomie mit Anstieg

Nach Branchen betrachtet bleibt das Bauwesen mit 458 Fällen und einer Insolvenzquote von 19 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen der am stärksten betroffene Wirtschaftsbereich. Für die Tourismusbranche relevant: Das Beherbergungs- und Gaststättenwesen verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Insolvenzen um 5,7 Prozent auf 424 Fälle, bei einer Insolvenzquote von 9,6 je 1.000 Unternehmen. Trotz guter Auslastung setzten steigende Personal-, Energie- und Finanzierungskosten zahlreichen Betrieben zu. Rückläufig entwickelten sich dagegen die Insolvenzen in der Sachgütererzeugung mit minus 9,9 Prozent, im Handel mit minus 11,2 Prozent sowie im Kredit- und Versicherungswesen mit minus 23,4 Prozent. Das höchste Insolvenzrisiko aller Branchen weist mit 23,3 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen der Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung auf. Weinhofer sieht vor allem Branchen mit hoher Kostenbelastung und geringem Preissetzungsspielraum unter Druck, namentlich Bau, Transport und Teile des Tourismus.

Ausblick auf das zweite Halbjahr

Für das zweite Halbjahr erwartet Creditreform keine grundlegende Veränderung des Insolvenzgeschehens. Die Konjunktur dürfte sich zwar langsam stabilisieren, Finanzierungskosten, schwache Investitionsbereitschaft und geopolitische Unsicherheiten blieben jedoch belastende Faktoren. Für das Gesamtjahr rechnet Weinhofer mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau: Die österreichischen Unternehmen hätten ihre Widerstandsfähigkeit erhöht, das wirtschaftliche Umfeld bleibe aber anspruchsvoll. Eine Rückkehr auf das niedrigere Insolvenzniveau der Vor-Krisenjahre sei derzeit nicht in Sicht.