Der Kollektivvertrag für Hotellerie und Gastronomie ist unter Dach und Fach. Nach vier gescheiterten Verhandlungsrunden haben sich die Fachverbände Hotellerie und Gastronomie mit den Gewerkschaften GPA und vida in mehreren Gesprächsrunden auf ein Ergebnis verständigt. Für die rund 250.000 Beschäftigten der Branche bringt der Abschluss ab 1. Oktober 2026 Lohn- und Gehaltssteigerungen von durchschnittlich 3,02 Prozent. Untere Lohn- und Gehaltsgruppen sowie Lehrlinge profitieren stärker: Lehrlingseinkommen steigen im Schnitt um 3,44 Prozent, in der Lohn- und Gehaltsgruppe 5 – der zahlenmäßig größten Beschäftigtengruppe der Branche – beträgt das Plus 3,48 Prozent.
Zusätzlich zur Grundvereinbarung wurde eine steuerfreie Mitarbeiterprämie fixiert. Vollzeitbeschäftigte erhalten bis zu 275 Euro brutto, Teilzeitkräfte anteilig, Lehrlinge 175 Euro. Der Kollektivvertrag löst damit eine seit Ende Mai anhaltende Blockade auf: Nachdem die Wirtschaftskammer ihr letztes Angebot Ende Juni für gescheitert erklärt hatte, waren bis zur Einigung übergangsweise die Lohn- und Gehaltstabellen mit Stand Mai 2025 als verbindlicher Mindestrahmen in Kraft geblieben.
Zähe Verhandlungen, versöhnlicher Ton
Der Weg zur Einigung war von öffentlich ausgetragenen Spannungen geprägt. Nach dem Verhandlungsabbruch im Frühsommer hatten beide Seiten ihre Positionen zunächst über die Medien verteidigt, ehe in der vergangenen Woche mehrere direkte Gesprächsrunden zwischen Wirtschaftskammer und Gewerkschaften wieder Bewegung in die Sache brachten. Georg Imlauer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie, bezeichnete das Ergebnis als „fairen und verantwortungsvollen Kompromiss in wirtschaftlich äußerst fordernden Zeiten“, der spürbare Verbesserungen für die Beschäftigten bringe und zugleich die schwierige Lage vieler Betriebe berücksichtige. Ein tragfähiges Ergebnis sei nur möglich, wenn beide Seiten die jeweiligen Herausforderungen anerkennten und aufeinander zugingen, so Imlauer, der öffentliches Branchenbashing als wenig konstruktiv kritisierte. Auch sein Amtskollege Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie, verwies auf die Reallohnentwicklung der vergangenen Jahre, die trotz angespannter Betriebsergebnisse ein Plus für die Beschäftigten gebracht habe.
Die ÖHV begrüßt den Abschluss als wichtiges Signal in angespannter Wirtschaftslage. „Gute Arbeit verdient faire Bezahlung. Gleichzeitig müssen Unternehmen die Löhne dauerhaft erwirtschaften können“, kommentierte ÖHV-Präsident Walter Veit die Einigung. Der Abschluss bringe den Betrieben Planungssicherheit und den Beschäftigten Klarheit für die kommenden Monate, so Veit, der zugleich auf die Kostenbelastung vieler Betriebe verweist.
Der nun fixierte Abschluss betrifft alle Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellten im Hotel- und Gastgewerbe und ergänzt den seit November 2024 geltenden, grundlegend überarbeiteten Rahmenkollektivvertrag der Branche.