Die Zahlen, auf die sich vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit beruft, stimmen: Österreich verzeichnete 2025 mit 157,3 Millionen Nächtigungen und 48,2 Millionen Ankünften neue Höchstwerte. Die Ankünfte stiegen gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent, die Nächtigungen um 1,9 Prozent. Für Hebenstreit passt das nicht zu den Warnungen vor steigenden Kosten und sinkenden Erträgen. Er spricht von einem „Krisenmärchen der Branche“.

Nur lässt sich aus der Zahl der Übernachtungen noch nicht ablesen, wie gut ein Hotel wirtschaftet. Genau darauf machte WIFO-Ökonom Oliver Fritz bei der Behandlung des Tourismusberichts im Tourismusausschuss aufmerksam. Die Betriebe hätten Preissteigerungen zwar teilweise an ihre Gäste weitergeben können, die gestiegenen Kosten aber nicht vollständig. Das gelte insbesondere für die Löhne. Die realen Wertschöpfungsgewinne seien deshalb verhalten.

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Hinzu kommt, dass die Gäste häufiger kommen, aber etwas kürzer bleiben. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sank von 3,30 auf 3,27 Nächte. Fritz berichtete außerdem, dass Gäste höhere Preise für Unterkunft und Gastronomie akzeptiert hätten, ihre Ausgaben während des Aufenthalts aber stärker im Blick behalten. Für Hotels und Restaurants zählt bekanntlich nicht nur, wie viele Menschen anreisen, sondern wie viel Umsatz und vor allem welcher Ertrag pro Gast tatsächlich bleibt.

Mehr Betten verschärfen den Wettbewerb

Auch die Angebotsseite spielt eine Rolle. Nach Einschätzung des WIFO wächst das Bettenangebot in manchen Regionen schneller als die Nachfrage. Mehr Kapazität verteilt die Nächtigungen auf mehr Betriebe und erhöht den Druck auf Auslastung und Preise. Dazu kommen hohe Investitionen, etwa in Wellnessanlagen und andere Qualitätsangebote. Werden diese Einrichtungen nicht ausreichend genutzt, steigen zwar die Kosten, nicht aber automatisch die Erlöse. Die ÖHV verweist in ihrer Reaktion auf den Tourismusbericht ebenfalls auf stagnierende operative Margen in Teilen der Drei- und Vier-Sterne-Hotellerie. Mitarbeiter-, Waren- und Energiekosten sowie Zinsen belasteten die Betriebe.

Streitpunkt Löhne

Die vida verbindet die Kritik an der wirtschaftlichen Darstellung der Branche mit dem neuen Kollektivvertrag. Seit 1. Oktober steigen Löhne und Gehälter in Hotellerie und Gastronomie im Durchschnitt um rund 3 Prozent, in der niedrigsten Lohn- und Gehaltsgruppe um 3,48 Prozent. Die Lehrlingseinkommen erhöhen sich durchschnittlich um 3,44 Prozent. Für einen Großteil der Beschäftigten wurde außerdem eine Prämie von maximal 275 Euro vereinbart. Die Gewerkschafter halten die Erhöhungen angesichts der von ihr herangezogenen Inflationsrate von 3,6 Prozent für zu niedrig und kritisieren einen realen Kaufkraftverlust. Diese Kritik ist legitim. Weniger überzeugend ist die Begründung, wonach Rekordnächtigungen automatisch einen größeren finanziellen Spielraum der gesamten Branche beweisen würden. Zwischen einem gut gebuchten Betrieb mit hoher Marge und einem ebenso gut gebuchten Haus mit hoher Verschuldung, steigenden Personalkosten und schwacher Rendite liegen betriebswirtschaftlich Welten.

Ähnlich verkürzt ist der Verweis auf die österreichweite Arbeitslosigkeit. Ende September waren rund 381.000 Menschen arbeitslos oder in Schulung. Daraus folgt aber nicht, dass diese Personen hinsichtlich Ausbildung, Wohnort, Mobilität und Verfügbarkeit jene Stellen besetzen können, die Hotels und Restaurants suchen. Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit können gleichzeitig existieren (gerade in einer saisonalen und regional stark unterschiedlichen Branche). Das entbindet die Betriebe nicht davon, über Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen zu reden. Wer Personal sucht, muss attraktive Jobs bieten. Umgekehrt wird die Diskussion aber auch nicht besser, wenn wirtschaftliche Probleme eines Betriebs mit dem Hinweis auf österreichweite Nächtigungsrekorde für erledigt erklärt werden.