Es gibt Dinge, bei denen einem der technische Fortschritt sofort einleuchtet. Niemand vermisst beispielsweise den Menschen, der früher händisch einen Aufzug bedienen musste. Beim Hotelzimmer wird es da schon komplizierter. Wenn dort eines Tages ein Roboter das Bett macht, den Polster aufschüttelt und dabei noch freundlich „Grüß Gott“ sagt, könnte selbst der innovationsfreudigste Hotelier kurz nervös werden.
„Putzi“ ist ein Reinigungsroboter des Herstellers Gausium, der in der Schule im Park in Bludenz nach Unterrichtsende rund 2.450 Quadratmeter Allgemeinflächen bearbeitet. In Österreich integriert wurde das System von Denzel Robotics gemeinsam mit einem Vertriebspartner. Putzroboter kennt man schon. Das eigentlich Spannende ist aber die Verbindung mit dem Aufzug: Über eine digitale Schnittstelle von Schindler Österreich kann der Roboter den Lift selbstständig rufen, ein Stockwerk anwählen und danach seine Route fortsetzen. Sechs Etagen schafft er auf diese Weise ohne menschliche Begleitung.
Für die Hotellerie ist genau dieser kleine Schritt möglicherweise ziemlich groß. Denn ein Reinigungsroboter, der nur in der Lobby seine Runden zieht, ist in erster Linie ein nettes Gerät. Einer, der sich selbstständig durch ein mehrstöckiges Gebäude bewegen kann, wird Teil des Betriebsablaufs. Derzeit eignen sich solche Systeme vor allem für jene Arbeiten, die gleichzeitig notwendig, repetitiv und wenig glamourös sind: Gänge reinigen, Wäsche oder Material transportieren, Abfall bewegen, Dinge von A nach B bringen. In Bludenz schafft Putzi je nach Fläche zwischen 400 und 700 Quadratmeter pro Stunde.
Routinetätigkeiten an den Roboterkollegen abgeben
Aktuelle Branchenanalysen sehen autonome Reinigung, Lieferdienste innerhalb des Hauses und Logistik als jene Bereiche, in denen Robotik derzeit am ehesten Fuß fassen kann. Der Grund dafür ist ausgesprochen unromantisch: steigende Personalkosten, Fluktuation und die Schwierigkeit, Mitarbeiter für körperlich belastende Routinetätigkeiten zu finden.
Schindler spricht davon, dass weitere Projekte bereits umgesetzt werden und die Verbindung von Robotern, automatischen Türen und Aufzügen künftig bei Gebäuden stärker mitgedacht wird. Die Schnittstelle lasse sich laut Unternehmen grundsätzlich auch in bestehenden Gebäuden nachrüsten, sofern Aufzug und Türen technisch dafür geeignet sind. In Asien ist man bereits deutlich weiter. In Shenzhen soll noch heuer ein Hotel den Testbetrieb aufnehmen, in dem Roboter vom Check-in über Lieferdienste bis zur Reinigung in zahlreiche Abläufe eingebunden werden. Das mag für ein österreichisches Vier-Sterne-Haus derzeit noch ein bisschen nach „Westworld mit Frühstücksbuffet“ klingen.
