Manche Tätigkeiten schienen lange fest in menschlicher Hand. Die Massage gehörte dazu, sofern man von rüttelnden Sitzauflagen im Elektronikfachmarkt absieht. Im aja Travemünde ist damit nun Schluss. Nach einer Testphase hat die DSR Hotel Holding den robotergestützten Massageservice fest ins Spa-Angebot übernommen, als eine der ersten größeren Ferienhotelgruppen im deutschsprachigen Raum übrigens. Das System trägt den Namen i.R.i.S., stammt vom Hersteller Ionto-Comed und beherrscht laut Unternehmensangaben „gleichmäßige, präzise Bewegungsabläufe“; eine Disziplin, in der menschliche Hände bekanntlich gelegentlich schwächeln, etwa nach dem dritten Kaffee oder der achten Behandlung.
Vier beheizbare Steine sitzen im Massagekopf von i.R.i.S., ihre Temperatur bleibt während der gesamten Anwendung konstant, was menschlichen Kolleginnen und Kollegen mit kalten Händen zu denken geben dürfte. Dazu kommen Wärme- und Rotlichtfunktion sowie eingebaute Lautsprecher mit Entspannungsmusik (was auch immer man darunter verstehen will). Wer möchte, steuert Druck und Geschwindigkeit per Handsteuerung selbst, ein Grad an Mitspracherecht sozusagen, den man sich bei der klassischen Massage nicht immer traut.

Der Mensch bleibt, die Maschine kommt dazu
Dass Roboter in der Belegschaft für Unruhe sorgen können, ist der DSR Hotel Holding bewusst. Niklas Griffin, Director Operations des Unternehmens, betont deshalb, es gehe ausdrücklich nicht darum, die Spa-Therapeutinnen und -Therapeuten zu ersetzen. Der Roboter solle vielmehr zusätzliche Kapazitäten schaffen und bei hoher Nachfrage für mehr zeitliche Flexibilität sorgen, während sich die Fachkräfte auf jene Anwendungen konzentrieren, bei denen persönliche Expertise zählt. Eine Formulierung, die in der Boomkonjunktur der KI-Debatte inzwischen zum Standardrepertoire jeder Pressemitteilung gehört, hier allerdings mit dem Vorteil, dass die Maschine tatsächlich nur eine sehr eingegrenzte Aufgabe übernimmt.
Julia Haupt, Senior Regional Director Nord der DSR Hotel Holding: In den Ferienregionen der Gruppe wachse die Nachfrage nach Wellnessangeboten kontinuierlich, mit dem Roboter ließen sich zusätzliche Kapazitäten schaffen, ohne die persönliche Betreuung durch die Spa-Teams zu verringern. Die Kombination aus technischer Unterstützung und menschlicher Expertise sei entscheidend, so Haupt.

Expansion nach Plan
Das Resort an der Lübecker Bucht bleibt vorerst Pilotstandort. Im ersten Quartal 2027 soll die Technologie auch in weiteren Häusern der Marken aja und A-ROSA zum Einsatz kommen. Bis dahin darf im aja Travemünde gebucht werden, wer sich für 29 Euro 30 Minuten oder für 39 Euro 45 Minuten kneten lassen möchte, wahlweise als Hotelgast oder als externer Spa-Besucher. Das 2018 eröffnete Resort verfügt über 242 Zimmer und Suiten sowie einen Wellnessbereich mit Innen- und Außenpool, und ist nach Angaben des Herstellers das erste Haus, das i.R.i.S. dauerhaft einsetzt.