Die ÖHV (Österreichische Hotelvereinigung) gilt seit jeher – unabhängig davon, ob Walter Veit Präsident ist oder Markus Gratzer deren Generalsekretär – als bester Interessensverband des Landes. Nur mit den Meldungen, die meist eher kritisch gehalten sind, haben so einige ihre Probleme. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die aktuellen Schwierigkeiten der österreichischen Hotellerie tatsächlich so einzigartig sind oder ob es doch Parallelen zu jenen der DACH-Region (Deutschland, Schweiz, Österreich) bzw. Europas gibt? T.A.I. ist dieser Frage nachgegangen und auf interessante Erkenntnisse gestoßen.

Fakt ist, dass sich die Probleme der österreichischen Hotellerie zwar stark mit jenen der DACH-Region und Europas überschneiden, jedoch in ihrer Intensität und ihren strukturellen Ursachen unterschiedlich gelagert sind. Der Grund: Österreich ist aufgrund seiner starken Tourismusabhängigkeit sowie der alpinen Prägung stärker von einigen Entwicklungen betroffen. Insgesamt zeigen sich die Herausforderungen der österreichischen Hotellerie als spezifischer und oft intensiver im Vergleich zu den anderen Regionen der DACH-Region und Europas.

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Fachkräftemangel und hohe Lohnnebenkosten

So ist hierzulande der Fachkräftemangel überaus ausgeprägt, besonders in alpinen Regionen und Saisonbetrieben. In den DACH-Ländern ist er ebenfalls ein Thema, doch zeigt sich in Österreich eine spezifische Herausforderung durch die Attraktivität anderer Branchen. Laut WKO (Wirtschaftskammer Österreich) sind 78 % der Unternehmen vom Mangel an Arbeits- und Fachkräften betroffen, am stärksten spüren es Gastronomie und Hotellerie. „Koch/Köchin“ gilt als der meistgesuchte Beruf. Auch in vielen Ländern Europas mangelt es an Fachkräften, dies jedoch oft weniger ausgeprägt. Österreichs Hotellerie muss also bezüglich der Mitarbeiter:innen tatsächlich erheblich mehr tun, als in den anderen Ländern der DACH-Region oder in Europa.

Zudem herrschen in Österreich überdurchschnittlich hohe Lohnnebenkosten (sie werden 2028 um 1 Prozentpunkt gesenkt). In Deutschland ist es ähnlich, während die Personalkosten in der Eidgenossenschaft durch die dort vorherrschende höhere Produktivität besser kompensierbar sind. Fest steht, dass durch hohe Kollektivvertragslöhne und Sozialabgaben der Personalkostendruck der Hotellerie in den DACH-Ländern deutlich über dem europäischen Schnitt liegt, vor allem in Österreich, wo die Personalkostenquote in vielen Ferien- und Landhotels mittlerweile mehr als 40 % des Umsatzes beträgt.

Dazu kommen die Energiekosten, die für die österreichische Hotellerie eine hohe Belastung darstellen, besonders für Wellness- und Wintersporthotels. Neben den Kosten für Mitarbeiter:innen sind die Energiekosten laut Fitness-Check von OeHT (Österreichische Hotel- und Tourismusbank), Kohl > Partner und Prodinger der Hauptgrund dafür, warum die Ergebnisse in der Hotellerie unter Druck sind. In den DACH-Ländern ist eine ähnliche Entwicklung feststellbar, während bei europäischen Hotels vor allem Mittel- und Osteuropa teilweise geringere Kosten vorherrschen.

Die österreichische Hotellerie ist zudem von strengen gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften betroffen, die sich in den letzten Jahren verstärkt haben. Auch die Preisentwicklung, insbesondere durch Inflation, trifft die österreichische Hotellerie stark.

Hohe Saisonalität, hohe Abhängigkeit von Deutschland

All diese Probleme werden durch die in Österreich starke Ausprägung der Saisonalität verstärkt (hierzulande herrscht eine sehr starke Abhängigkeit von Winter- und Sommertourismus, deshalb gibt die Österreich Werbung auch den Kurs Richtung Ganzjahrestourismus vor), die nur in der Schweiz und Südtirol ähnlich sind. In Deutschland ist die Saisonalität durch den Geschäftsreisetourismus deutlich geringer, während in den Mittelmeerländern der Sommer dominiert und viele Destinationen Europas über ganzjährigen Tourismus verfügen.

In Österreichs Tourismus gibt es zudem eine extreme Abhängigkeit vom deutschen Binnenmarkt. Die dort schwächelnde Konjunktur bremst das Reisebudget der wichtigsten Gastgruppe in der gesamten Region. Österreich gilt als das mit Abstand wichtigste Auslandsreiseziel für deutsche Urlauber (2025 wurden 15,3 Mio. Ankünfte gezählt, in der Schweiz waren es ca. 4,3 Mio. und in Südtirol um die 3,6 Mio.). Kein anderes Land in Europa ist so stark vom deutschen Gast abhängig.

Zinsniveau hoch, Nachfolgefragen ungelöst

Auch das europaweit gestiegene Zinsniveau erschwert Refinanzierungen und Sanierungen massiv. Dazu kommt, dass Banken im DACH-Raum Kredite für Hospitality-Projekte deutlich restriktiver vergeben als in früheren Jahren. Mehr als die Hälfte der Betriebe berichtet von erschwerter Kreditvergabe trotz stabiler Nachfrage, was zu einem erheblichen Investitionsstau führt. Dazu kommt der Umstand, dass Österreichs Hotellerie stark durch familiengeführte Betriebe geprägt ist. Viele kleine und mittlere Häuser stehen vor ungelösten Nachfolgefragen, weil Renditen unter dem Druck von Energiekosten, Zinsen und Auflagen schrumpfen.

Während die europäische Hotellerie vor allem mit Fragmentierung (72 % der Ketten bewerten ihre Lage positiv, nur 55 % der unabhängigen Hotels), Cyberrisiken (94 % der Großbetriebe fühlen sich vorbereitet, aber nur 60 % der Kleinstbetriebe) und geopolitischer Unsicherheit kämpft und Deutschland unter preisgetriebener Konsolidierung und Insolvenzen leidet, steht Österreich vor einer strukturellen Existenzkrise – allen voran des alpinen Wintertourismus – kombiniert mit einer einzigartigen Abhängigkeit vom deutschen Wirtschaftszyklus und einer besonders harten Kostenschere. Die Schweiz wiederum meistert die Lage relativ stabiler, droht aber durch den starken Franken, Nachfolgeprobleme in den Alpen und Wohnraumknappheit an ihre Grenzen zu stoßen.

Fest steht also, dass man der ÖHV nicht vorwerfen kann, die aktuelle Lage der österreichischen Hotellerie überaus kritisch zu beurteilen. Die Interessenvertretung hat in all ihren Punkten Recht, denn die Situation – wie aus dem von T.A.I. gezogenen Vergleich mit Hotels der DACH-Region und der europäischen Hotellerie – sieht derzeit wirklich nicht allzu rosig aus, sie hat sich in den zurückliegenden Jahren sogar noch verschlechtert.