Wien führt das europäische Nachtzugranking der EU-Hauptstädte an. Laut einer aktuellen VCÖ-Analyse sind von der österreichischen Hauptstadt aus 15 internationale Enddestinationen mit dem Nachtzug sinnvoll erreichbar, 13 davon täglich. Zu den Zielen zählen unter anderem Amsterdam, Berlin, Bukarest, Hamburg, Warschau und Zürich. Bis 20. August 2026 ist zudem Rom täglich angebunden, danach wird die Verbindung baustellenbedingt bis 20. September unterbrochen und endet in der Zwischenzeit in Bologna.
Auf den weiteren Plätzen folgen Bukarest und Budapest mit je zwölf Verbindungen, dahinter Prag und Paris mit jeweils zehn sowie Rom mit neun. Warschau kommt auf acht Verbindungen, Berlin auf sieben. „Von keiner EU-Hauptstadt aus gibt es so viele Nachtzugverbindungen wie von Wien“, fasst VCÖ-Verkehrsexperte Michael Schwendinger die Untersuchung zusammen.
Zehn Hauptstädte ohne jede Anbindung
Von den 27 EU-Hauptstädten sind lediglich 17 überhaupt mit dem Nachtzug erreichbar. Zehn Hauptstädte haben keine einzige Nachtzugverbindung, darunter Athen, Dublin, Valletta, Lissabon, Luxemburg, Madrid, Nikosia, Tallinn, Riga und Vilnius. Am unteren Ende des Rankings der angebundenen Städte liegen Kopenhagen mit zwei sowie Bratislava und Helsinki mit je drei Verbindungen. „Der Aufholbedarf im Bahnreiseverkehr ist in der Europäischen Union sehr groß. Die EU hat es in den vergangenen Jahrzehnten verabsäumt, die internationalen Bahnverbindungen zu forcieren“, sagt Schwendinger. Die Mobilitätsorganisation fordert deshalb einen gezielten Ausbau grenzüberschreitender Bahnverbindungen sowie eine Vereinfachung von Planung und Buchung internationaler Zugreisen, die derzeit häufig über mehrere nationale Buchungssysteme parallel organisiert werden müssen.
Für den heimischen Tourismus- und Mobilitätssektor liefert die Spitzenposition Wiens ein gutes Argument: Sie unterstreicht die Standortqualität der Bundeshauptstadt im internationalen Bahnverkehr, macht aber ebenso deutlich, dass der europäische Nachtzugmarkt insgesamt noch weit von einem flächendeckenden Angebot entfernt ist, auf dem sich grenzüberschreitender Bahntourismus verlässlich aufbauen ließe.