Die Zahlen, mit denen Vanessa Kratzer von der Yontex GmbH, der Veranstalterin der BrauBeviale, ihren Vortrag bei einer Messepräsentation in Prag eröffnete, sind „ernüchternd“. Sie sind aber in erster Linie sehr aufschlussreich. Denn in Europa wurden 2025 rund 149 Milliarden Liter alkoholfreier Getränke konsumiert, dem stehen 62 Milliarden Liter alkoholische Getränke gegenüber: mehr als doppelt so viel also auf der alkoholfreien Seite. Beim Pro-Kopf-Verbrauch liegt der europäische Durchschnitt bei 178 Litern alkoholfreier Getränke gegenüber 73 Litern alkoholischer.
Für Österreich ergibt sich ebenfalls ein aufschlussreiches Bild: 110 Liter alkoholische Getränke pro Kopf und damit deutlich über dem europäischen Schnitt stehen 154 Liter alkoholfreie gegenüber. Tschechien, als Gastgeberland des Pressetermins, zeigt eine Besonderheit: Mit 155 Litern alkoholischen Getränken pro Kopf liegt das Land weit über dem europäischen Durchschnitt, fast gleichauf mit dem alkoholfreien Konsum von 156 Litern: ein Beleg für die noch immer ausgeprägte Trinkkultur des Landes, die Kilian Kittl vom Verband Private Brauereien Bayern zuvor in seinem Vortrag mit den hohen Fassbieranteilen tschechischer Kleinbrauereien verknüpft hatte.
Wachstumsseitig stechen zwei Segmente hervor: Energydrinks und Ready-to-Drink-Kaffee- und Teegetränke. In Tschechien liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei Energydrinks bereits bei neun Litern, mehr als dreimal so hoch wie der europäische Durchschnitt von knapp drei Litern. Die Slowakei übertrifft das sogar mit zwölf Litern. Bis 2030 wird für diese Kategorie in der Region ein Wachstum von bis zu zehn Prozent erwartet. Auch alkoholfreies Bier legt zu: Tschechien liegt mit 11,6 Litern pro Kopf weit über dem europäischen Durchschnitt von 2,7 Litern, Österreich mit 3,5 Litern knapp darüber.
Vom Bierkongress zur Plattform der Getränkebranche
Genau in diesen Verschiebungen liegt auch der Fokus der diesjährigen BrauBeviale. „All Beverages, One Future“ lautet der neue Claim und er markiert eine Erweiterung des Selbstverständnisses. Denn die Messe, die in den 1950er-Jahren als Braukongress begann und seither kontinuierlich gewachsen ist, bekennt sich damit zur gesamten Getränkebranche, ohne ihre Herkunft zu verleugnen. „Unser Fokus verschiebt sich ein bisschen weg vom reinen Bieransatz hin zu jeglicher Art von Getränken, aber ohne dass wir unseren traditionellen Messecharakter verlieren“, formulierte Kratzer.
Das Konzept 2026 ruht auf drei Säulen: Lösungen (Aussteller präsentieren praxisnahe Antworten auf die sich wandelnde Branchenlandschaft); Wissen (Experten geben Einblicke in neue Verfahren und Anwendungsmöglichkeiten) und Interaktion, der gezielte Austausch zwischen Fachleuten und Anwendern, der neue Kooperationen anstoßen soll.
Die Besucherstruktur spiegelt diese Veränderung bereits: Seit 2023 wächst der Anteil aus den Segmenten Softdrinks, alkoholfreie Getränke, Säfte sowie Wein und Sekt kontinuierlich, die BrauBeviale ist also faktisch längst keine reine Biermesse mehr.

Programm mit Tiefgang
Das Rahmenprogramm stellt Lucia Baier von Yontex vor: „Time for Opportunities“. Die Botschaft dahinter ist programmatisch, es ist eine Einladung zum Handeln. „Wir wollen Impulse geben, wir wollen zeigen, was bereits möglich ist, wir wollen Mut machen“, sagte Baier.
Die zentrale Bühne, die Mainstage, fokussiert auf drei Themenkomplexe: Ressourceneffizienz, Produktentwicklung und Technologie. Drei Keynotes sind geplant. Charles Banks von thefoodpeople, der in Prag bereits einen Vorgeschmack auf sein Beverage Foresight Playbook gab, wird in Nürnberg das vollständige Framework präsentieren (mit aktualisierten Daten aus dem Sommer 2026). Im Mittelpunkt steht die Frage, was der Switch hin zu bedürfnisorientiertem Konsum konkret für die Branche bedeutet.
Ergänzt wird die Mainstage durch Diskussionsrunden zu europäischen Perspektiven auf Zuckerreduzierung und Zuckerbesteuerung sowie zur Entwicklung des alkoholfreien Biers in unterschiedlichen Märkten. Und ein Thema, das für die Gastronomie besondere Relevanz hat: Fassbier-Ausschank von alkoholfreiem Bier erfordert spezifisches Fachwissen und Fingerspitzengefühl, wie Baier betonte.
Ergänzt wird die Mainstage durch Diskussionsrunden zu europäischen Perspektiven auf Zuckerreduzierung und Zuckerbesteuerung sowie zur Entwicklung des alkoholfreien Biers in unterschiedlichen Märkten — ein Thema, das für die Gastronomie besondere Relevanz hat: Fassbier-Ausschank von alkoholfreiem Bier erfordert spezifisches Fachwissen und Fingerspitzengefühl, wie Baier betonte.
Zwei neue Formate, ein neues Verkostungsformat
Erstmals eingeführt werden zwei neue Formate. Die Focus Corner bietet intensive eineinhalbstündige Workshops für jeweils 25 bis 30 Personen — interaktiver Austausch statt Frontalvortrag, mit einem Logistik-Workshop und einem Nachhaltigkeits-Assessment bereits bestätigt.
Die Pilot Area ist das vielleicht ambitionierteste neue Element: Bis zu acht Pilotprojekte aus der gesamten Prozesskette der Getränkeindustrie werden hier vorgestellt; Start-ups in der Gründungsphase ebenso wie EU-geförderte Forschungsprojekte. Bereits bestätigt sind unter anderem ein Start-up aus Stralsund, das aus Brauerei-Treber mit Hilfe von Pilzen Proteine für Fleischersatzprodukte züchtet, sowie ein Projekt der Universität Perugia, das Treber zu Biopolymeren für Verpackungslösungen veredelt. Das Fraunhofer-Institut präsentiert eine Lösung zur nachhaltigen Erzeugung von Prozesswärme, die bereits bei Bitburger pilotiert wird. Und ein weiteres Projekt entwickelt mikrobiologische Schnelltests für die Getränkeindustrie nach dem Vorbild von PCR-Tests.
Neu ist auch die Discovery Bar: Innovative Getränkehersteller stehen selbst hinter dem Tresen und präsentieren ihre Kreationen dem Fachpublikum mit dem erklärten Ziel, Kooperationen anzustoßen. Schwerpunkt liegt auf alkoholfreien Getränken mit funktionalem Zusatznutzen, aber auch Wein-Alternativen wie Verjus und Proxys sowie Teebier aus China sollen verkostet werden können.
Abgerundet wird das Rahmenprogramm durch den European Beer Star, die World Beverage Innovation Awards sowie eine Start-up-Zone. Die Messeparty am Abend des 10. November findet in der Nürnberger Innenstadt mit limitiertem Ticketkontingent statt.